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25.08.22

Mehr Teilzeitarbeit infolge Steuererhöhung

Eine Studie zeigt: In Schweden passen manche Mitarbeiter ihre Arbeitszeit an Steuergrenzen an. Unternehmen verlieren dadurch Fachkräfte, vor allem intelligente.

Eine Erhöhung der Steuern kann den Unternehmen wichtige Arbeitskräfte nehmen. Zu diesem Schluss kommt die schwedische Studie „The Ability Gradient in Tax Responsiveness“. Laut der Studie reagieren vor allem kognitiv intelligente Fachkräfte auf sich ändernde Einkommenssteuergrenzen und reduzieren ihre Arbeitszeit. Das heißt: Erhöht der Staat die Steuern und haben die Beschäftigten damit mehr Abgaben und weniger Nettoeinkommen für dieselbe Arbeit, gehen einige von ihnen in Teilzeit.

Damit hätte eine Steuererhöhung gleich zwei negative Effekte: Zum einen arbeiten einige Beschäftigte dadurch weniger. Zum anderen sorgt sie dafür, dass vor allem diejenigen weniger Stunden pro Woche tätig sind, die intelligent sind. Als intelligent wurden von den Studienautoren Menschen angesehen, die beim Wehrpflichttest für das schwedische Militär hinsichtlich logischem und räumlichem Denken, technischem Verständnis und Textverständnis gut abgeschnitten haben, sowie diejenigen, die gute Noten in der Schule hatten. Diese Daten stellten die Autoren der Studie denen aus den Steuerregistern gegenüber.

Der Weg in die Selbstständigkeit als Konsequenz

Doch Talente reduzieren nicht nur ihre Stunden, um Steuern zu sparen. In manchen Fällen gehen sie auch bewusst in die Selbstständigkeit. Und zwar dann, wenn es ihnen mit dem Gehalt des Arbeitgebers nicht gelingt, unter die entsprechende Lohnsteuergrenze zu kommen.

Sensibel auf Steueränderungen reagieren der Studie zufolge besonders schlaue Menschen, die als Ärzte, Zahnärzte oder Wissenschaftler ihr Geld verdienen. Tendenziell passen außerdem eher Männer ihre Arbeitszeit und ihre Arbeitsform an steuerliche Änderungen an als Frauen. Ob Mitarbeiterinnen höhere Einkommensabgaben tendenziell egal sind oder sie ohnehin meist ein Gehalt beziehen, das nicht an der Grenze liegt, geht aus der Studie nicht hervor.

Weniger Geld haben die Schwedinnen und Schweden nicht unbedingt, wenn sie ihre Arbeitszeit verkürzen und ihr Einkommen unter die Steuergrenze drücken. Denn in Schweden gibt es ein duales Steuersystem. Dabei werden Kapitaleinkommen weniger versteuert als hohe Gehälter vom Arbeitgeber. Somit ist die Strategie vieler Schwedinnen und Schweden, ihre Arbeitszeit und ihr Gehalt zu reduzieren, gleichzeitig aber mehr zu investieren und so am Ende des Monats keinen finanziellen Verlust zu erleiden.

Der Artikel erschien zuerst auf unserer Schwesterseite Personalwirtschaft.de.