Azubis sind gefragt, doch so viele wie noch nie sind unzufrieden mit ihrem Arbeitgeber. Was sie stört.

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25.09.19
Potenzialträger

Auszubildende sind so unzufrieden wie nie

Auszubildende sind im Job unglücklich und kritisieren die schlechte digitale Ausstattung und Überstunden.

Die Zufriedenheit deutscher Azubis erreicht einen Tiefpunkt: Rund 70 Prozent von ihnen sind mit ihrer Ausbildung zufrieden oder sehr zufrieden, wie der Ausbildungsreport 2019 des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zeigt. So gering war der Wert seit der ersten Erhebung vor 13 Jahren noch nie. Vor zehn Jahren waren noch 75,5 Prozent zufrieden. Teilgenommen haben diesmal 181 Auszubildende.

Als Grund für ihre Unzufriedenheit nennen die Befragten regelmäßige Überstunden. Knapp jeder achte Unter-18-Jährige arbeitet verbotenerweise pro Woche mehr als 40 Stunden, 2018 war es lediglich jeder zehnte.

Als weiteren Grund kritisieren die Azubis die digitale Ausstattung des Arbeitgebers – fast 50 Prozent denken, sie haben keine gezielte Qualifizierung für digitale Technologien. Dabei sind knapp 80 Prozent der Meinung, dass Aspekte der Digitalisierung und Automatisierung in ihrer Ausbildung sehr wichtig sind. Schuld seien auch die Berufsschulen, deren Ausstattung ein Drittel der Befragten als „ausreichend“ oder „mangelhaft“ bewertet. Sowohl die Unternehmen als auch die Berufsschulen haben laut dem Report noch einiges in Sachen Ausbildung 4.0 nachzuholen.

Industriemechaniker sind am zufriedensten

Am besten bewerteten Industriemechaniker ihre Ausbildung, gefolgt von Verwaltungsfachangestellten, Industriekaufleuten, Mechatronikern und Zerspanungsmechanikern. Dieses Bild zeigte sich bereits in den vergangenen Jahren. Dahinter kommen Bankkaufleute und Elektroniker für Betriebstechnik. Die Berufsgruppen haben ihre Ausbildungsstätte nach Ausbildungszeiten, Ausbildungsvergütung, fachlicher Qualität der Ausbildung im Betrieb und der persönlichen Beurteilung der Ausbildung beurteilt.

Auch das bekannte Bild, dass Auszubildende zum Koch, Friseur, Maler, Lackierer und Hotelfachmann/-frau am unzufriedensten sind, setzt sich in diesem Jahr fort. Besonders der Einzelhandel und das Hotel- und Gastgewerbe sollten Änderungen anstoßen, um sich für junge Arbeitnehmer attraktiver zu machen.

Betriebsgröße spielt eine Rolle

Ein Faktor, der sich auf die Zufriedenheit der Azubis auswirkt, ist die Betriebsgröße. Je größer das Unternehmen ist, desto zufriedener sind die Azubis im Durchschnitt. Die Studienautoren begründen das mit der guten personellen Aufstellung eines großen Unternehmens und der vorhandenen materiellen Voraussetzung, die eine strukturierte und qualitativ hochwertige Ausbildung gewährleistet. Dazu gibt es in Großunternehmen oft Betriebs- und Personalräte sowie Jugend- und Auszubildendenvertretungen, die mitbestimmen können und auf Ausbildungspläne und gesetzliche Vorgaben achten.

Kleinere Unternehmen dagegen sind durch das geringe Personal oft mit der Aufgabe überfordert, flexibel auf Angebot und Nachfrage zu reagieren. Sie gehen nicht immer nach dem Ausbildungsplan vor, sondern setzen die Azubis dort ein, wo sie gerade gebraucht werden – auch bei ausbildungsfremden Arbeiten.

Unternehmen brauchen Auszubildende

Die Ergebnisse sind nicht gerade förderlich, zumal der Arbeitsmarkt auf junge Fachkräfte angewiesen ist. Auf 100 junge ausbildungssuchende Menschen kommen 97 Stellen, von denen 2018 jeder zehnte Platz unbesetzt blieb. „Die Möglichkeiten der Auszubildenden, einen anderen Ausbildungsplatz zu finden, sind heutzutage so gut, dass sie schneller das Handtuch werfen, sobald sie unzufrieden sind“, begründet Kirsten Kielbassa-Schnepp, Bildungsreferentin beim Zentralverband des Deutschen Handwerks.