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17.11.21

So gelingt eine gute Employee-Experience in unsicheren Zeiten

Frauke von Polier und Frank Kohl-Boas betonten in einer Podiumsdiskussion beim 12. Human Resources Summit, wie wichtig Kommunikation und das Schaffen von „Moments that matter“ für das Wohlbefinden der Mitarbeitenden sind. Dennoch bleibe die Employee Experience etwas höchst Persönliches.

Die meisten Menschen fühlen sich in unsicheren Zeiten unwohl – auch auf der Arbeit. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass dieser Gefühlszustand auch die Employee-Experience beeinflusst. Muss er aber nicht, sagten Frauke von Polier, Chief People Officer beim Heiz- und Klimatechnikunternehmen Viessmann, und Frank Kohl-Boas, Leiter Personal und Recht bei der Zeit Verlagsgruppe, in einer Podiumsdiskussion beim 12. Deutschen Human Resources Summit.

In erster Linie gehe es darum, die Mitarbeitenden zu verstehen und zu wissen, wie sie sich in der jeweiligen Situation fühlen. Seit Ausbruch der Pandemie hatten viele Mitarbeitende der Zeit Verlagsgruppe Angst um ihre Gesundheit, sagte Frank Kohl-Boas. Sie machten sich zudem Sorgen um mögliche Kurzarbeit und um Schwierigkeiten bei der neuen, fast ausschließlich digitalen Kommunikation mit ihren Kolleginnen und Kollegen. Um von diesen Ängsten, aber auch von den Erwartungen der Mitarbeitenden zu wissen, sei es essentiell, in den permanenten Dialog zu gehen, resümierte Frank Kohl-Boas.

Dialog und Kooperation wichtig

Dabei liege die Betonung auf Dialog, denn eine einseitige Kommunikation von der Führungsebene aus sei nicht zielführend. „Ein Unternehmen ist ein lebender Organismus“, sagte Kohl-Boas. „In ihm gibt es keine rein passive und aktive Seite.“ Er plädierte deshalb stark für eine Bottom-up-Kommunikation zusätzlich zum Informationsfluss, der von der Führungsebene aus stattfinden solle. Für diesen Austausch seien bei der Zeit Verlagsgruppe digitale Tools verwendet worden, in denen Fragen auch anonym gestellt werden können und es damit für einen ehrlichen Dialog möglichst wenige Hemmnisse gebe.

Zudem sei offen darüber gesprochen worden, was der einzelne Mitarbeiter oder die einzelne Mitarbeiterin brauche, um die Arbeit in der herausfordernden Zeit bestmöglich fortführen zu können. „Es wurde in Lösungen gedacht, in Kooperation und Partizipation“, sagte Kohl-Boas. So hätten Mitarbeitende ihren Urlaub anderen Kolleginnen und Kollegen abgegeben, damit diese mehr Zeit haben, ihre Kinder zu betreuen. Auch hätten die Mitarbeitenden weitestgehend selbst entscheiden dürfen, an welchem Ort – im Home-Office oder im Büro – sie nun arbeiten möchten.   

„Moments that matter“

Gesehen zu werden und die Arbeitsumstände an die jeweilige Person anzupassen, reicht laut Frauke von Polier nicht aus, um den Mitarbeitenden eine gute Employee-Experience zu ermöglichen: „Drei Aspekte sind für die Employee-Experience essentiell: stabile und funktionierende Systeme, intuitive Prozesse und Wow-Erlebnisse“, sagte von Polier. Letzteres ziele auf besondere Momente für die Mitarbeitenden ab. Diese nennt von Polier, angelehnt an ein HR-Projekt, das sie während ihrer Zeit bei SAP durchgeführt hat, „Moments that matter“.

Um diese den Mitarbeitenden zu bescheren, müssten zunächst die für sie besonderen Momente aus der Vergangenheit gefunden werden, bei denen sie etwas gefühlt hätten. „Wir haben unsere Mitarbeitenden bei SAP gefragt, welches die Momente waren, die bei ihnen die meisten Gefühle hervorgerufen und sie am meisten bewegt haben, und gebeten, uns von diesen Situationen zu erzählen“, sagte von Polier. „Meistens sind das die Momente, bei denen die professionelle und die private Welt zusammentreffen, beispielsweise die Rückkehr nach der Babypause.“ Sobald diese Punkte in der Employee-Journey gefunden worden seien, könne überlegt werden, wie künftig positive Gefühle in diesen Situationen hervorgerufen werden könnten und gleichzeitig die Unternehmenskultur erlebbar gemacht werden kann.

Werte vorleben

Gefühle entstehen meist durch Nähe – und die ist durch die neue hybride oder Remote-Arbeit nicht immer physisch gegeben. Doch die Führungskräfte könnten hier laut von Polier und Kohl-Boas zu einem gewissen Grad emotionale und psychologische Sicherheit herstellen. „Führungskräfte brauchen jetzt Empathie“, sagte Kohl-Boas. Von Polier fügte hinzu: „Hierfür ist es auch hilfreich, wenn der CEO klare Werte vorlebt.“ Bei Viessmann sei dies Max Viessmann, der das Unternehmen mit seinen Mitarbeitenden als erweiterte Familie ansehe, in der die Mitglieder sich einbringen, Verantwortung übernehmen und teamorientiert arbeiten können. Der CEO verkörpere diese Werte und lebe sie vor, wodurch Nähe hergestellt werde. „Wenn alle Führungskräfte die Unternehmenswerte leben, dann brauchst du auch nicht ständig neue besondere Programme und Aktivitäten, um die Unternehmenskultur erlebbar zu machen und die Employee-Experience positiv zu gestalten“, sagte von Polier.

Dennoch sei die Employee-Experience etwas höchst Persönliches. Denn sie beschreibe etwas, das der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin persönlich erlebe und das einen emotionalen Effekt bei ihm oder ihr hervorrufe. Das solle bei all den Bemühungen um eine positive Employee-Experience nicht vergessen werden, riet sie Unternehmen.