LeonyBatari - stock.adobe.com

04.02.21

Corona-Krise: Vereinbarkeit von Familie und Beruf meistern

Im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 mussten viele zunächst improvisieren: Viele standen vor der nie dagewesenen Herausforderung, Familie und Beruf zu vereinbaren. Die Erfahrungen des ersten Lockdowns können jetzt genutzt werden und dabei helfen, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie voranzutreiben.

Das Unternehmensprogramm Erfolgsfaktor Familie unterstützt seit März 2020 Unternehmen sowie ihre Beschäftigten bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie während der Corona-Pandemie. Dieses Programm ist die zentrale Plattform für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf des Bundefamilienministeriums. Im Rahmen des Programms ist die Toolbox „Vereinbarkeit und Corona“ entstanden. Diese enthält Empfehlungen, Tipps und gute Beispiele aus der Praxis. Mit diesen Erfahrungsberichten aus dem ersten Lockdown können Betriebe und Beschäftigte während des Lockdowns versuchen, gemeinsam gute Lösungen zu finden.

Fünf Impulse sind dabei nützlich:

1. Zweiten Lockdown für Neues nutzen

Der erste Lockdown hat gezeigt: Die Umstellung auf flexiblere Arbeitszeiten und Homeoffice haben sich nicht nur für ein paar Wochen bewährt. Überbrückungsstrategien wie Überstundenabbau und Urlaub helfen nur in begrenzt und haben langfristig negative Folgen, denn Urlaub soll – vor allem auch in diesen Zeiten – der Erholung dienen.

Je flexibler die Arbeitszeiten, desto besser können Unternehmen und Beschäftigte auch jetzt im zweiten Lockdown reagieren und eingespielte Modelle und Prozesse (wieder) in Gang setzen. So sind Unternehmen nachhaltig besser aufgestellt, um nicht nur die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sondern auch ihre Krisenfestigkeit insgesamt zu verbessern.

2. Homeoffice hilft allen

Vermehrtes Arbeiten von zu Hause war zunächst eine Kurzfriststrategie für Eltern und Pflegende. Aber selbst in diesen Konstellationen hat sich gezeigt, dass Homeoffice, das lange Zeit als Vorzeigemodell besonders moderner und flexibler Betriebe galt, ein Erfolgsmodell für beinahe alle Branchen sein kann.

Die Devise für die zweite Welle ist daher: Es geht noch mehr. Denn in vielen Unternehmen ist die technische Ausstattung inzwischen vorhanden, digitale Arbeitsprozesse und Kollaborationstools funktionieren, und Beschäftigte sind in der digitalen Kommunikation geübt. Was jetzt auch anders ist: Kunden und Partner haben nicht mehr die alten Präsenzerwartungen, sondern bevorzugen ebenfalls kontaktlose Interaktion. Dies hilft nicht nur bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sondern es nützt auch anderen Menschen: Wenn weniger Menschen in öffentlichen Verkehrsmitteln und in den Betriebsstätten sind, sinkt das Infektionsrisiko auch für die, deren Präsenz am Arbeitsplatz unumgänglich ist.

3. Breiter denken in partnerschaftlichen Lösungen

Die Notlösungen in vielen Familien führten im Frühjahr dazu, dass viele Mütter die Hauptlast bei Kinderbetreuung und Haushalt trugen, auch wenn es im „normalen“ Alltag zuvor anders gelebt wurde. Betriebe sollten mit den Müttern sprechen, wie sich die aktuelle berufliche Situation des anderen Elternteils darstellt. Väter wollen sich beteiligen und bei deren Arbeitgebern herrscht inzwischen eine andere Offenheit. Zudem gibt es auch konkrete Beispiele, wie Vätern eine flexible Arbeitsorganisation ermöglicht wird. Auch mit Alleinerziehenden sollten Unternehmen das Gespräch suchen, welche Lösungen es durch ein vorhandenes Netzwerk mit Eltern, Freunden oder Verwandten geben kann, soweit dies die Kontakteinschränkungen zulassen. Hier sollte auch über die Grenzen des eigenen Unternehmens hinweg nach partnerschaftlichen Lösungen sowohl für beide Elternteile als auch für beide Arbeitgeberbetriebe gesucht werden – um Lasten gerechter zu verteilen.

4. Kommunikation verstärken

Nach zehn Monaten im Krisenmodus ist die Anspannung bei vielen berufstätigen Eltern und Pflegenden groß. Auch bei allen anderen sinkt das Durchhaltevermögen oder gar das Vertrauen in die Zukunft der eigenen Arbeit – gerade jetzt in der dunklen Jahreszeit. Und wenn viele im Homeoffice sind, fehlt das soziale Miteinander. Daher ist jetzt die Zeit, einen offenen Austausch zu fördern, Fragen zuzulassen sowie Unsicherheiten zu besprechen.

Wichtig ist dabei auch, den Mitarbeitern durch die eigene Ausstrahlung Zuversicht zu vermitteln: über digitale Kommunikationswege wie Videobotschaften der Geschäftsleitung oder Chats und Telefonsprechstunden, in denen Fragen der Beschäftigten beantwortet werden und einen schnellen Kommunikationskanal. Wichtig ist, den direkten Austausch von Informationen zwischen allen Ebenen zu ermöglichen, zum Beispiel über Chatkanäle, und damit die direkten Kommunikationswege wie Kantine und Kaffeeküche zumindest zum Teil zu ersetzen.

5. Bedarfsgerechte Angebote und Leistungen

Wenn im zweiten Lockdown „die Luft dünn“ wird, besteht das Risiko, dass Unternehmen neu oder verlängert Beschäftigte mit Kindern in Kurzarbeit schicken oder freistellen. Unternehmen sollten die finanziellen Möglichkeiten kennen und in ihrer Belegschaft bekanntmachen.

Kontakteinschränkungen, geschlossene Geschäfte, fehlende Freunde und Spielkameraden – nicht nur die Gestaltung der beruflichen Aufgaben, sondern auch die von Freizeit und Erholung ist zurzeit schwierig. Ganz persönliche praktische Hilfen und Tipps aus unterschiedlichsten Lebensbereichen sind ein Signal der Wertschätzung an die Beschäftigten. Sie zeigen: Mein Arbeitgeber nimmt mich und meine Situation wahr. Und seit dem ersten Lockdown ist ein großes Angebot digitaler Formate entstanden, das inzwischen ohne große technische Hürden auch von den Familien am heimischen PC genutzt werden kann. Unternehmen können dies unterstützen:

  • Webinare mit externen Experten zu spezifischen Fragestellungen werden seit dem ersten Lockdown in einer breiten Vielfalt angeboten. Besonders bei Themen wie Homeschooling, Führen auf Distanz oder ressourcengerechte Organisation von Homeoffice ist die Verstärkung durch fachliche Expertise sinnvoll.
  • Interne Plattformen und Netzwerke: Voneinander zu lernen und sich miteinander den Herausforderungen der Corona-Krise zu stellen, stärkt das soziale Miteinander. Beispielsweise melden sich Mitarbeiter unter dem Motto „Ask me Anything“ aus eigenem Interesse als Pate für ein Thema und leiten eine Gruppe zum virtuellen Austausch. So sind in Unternehmen bereits unter anderem Gruppen zum Homeschooling und mobilem Arbeiten mit Kindern entstanden.
  • Gesunderhaltungsangebote mit Entspannungstipps und Anregungen für ein „gesundes Abschalten“ nach der Arbeit können angeboten werden. Manche Firmen bieten zum Beispiel virtuelle Sportangebote an unter Anleitung von professionellen Trainern an.