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11.01.22

Arbeitsrecht in der Coronakrise: Wie Unternehmen die Herausforderungen meistern

Neue und altbekannte arbeitsrechtliche Problematiken stellen Personalabteilungen und Juristen während der Coronapandemie vor schwierige Aufgaben. Dass Unternehmen in Zusammenarbeit mit ihren Betriebsräten während der Pandemie einen guten Job gemacht haben, zeigte sich beim Themenforum von Advant Beiten beim 12. Deutschen Human Resources Summit.

Über herausfordernde und neue rechtliche Fragestellungen konnten sich auch die Arbeitsrechtler von Advant Beiten in der Coronakrise nicht beschweren. Das wurde klar beim Themenforum „Die Krise als Katalysator für Veränderungen!?“, das Rechtsanwalt Markus Künzel auf dem 12. Deutschen Human Resources Summit moderierte. Auf der Bühne des HR-Summits sprach Künzel mit seinem Partner Dr. Thomas Drosdeck sowie mit Heinke Hahn, Director Global HR bei Sennheiser electronic, und Hans-Peter Kleitsch, Leiter Personal & Senior Vice President Human Resources, MTU Aero Engines.

Hahn, die seit insgesamt 23 Jahren bei Sennheiser arbeitet, sprach dabei über die Auswirkungen der Coronakrise auf ihr Unternehmen. Weil Sennheiser stark in der Veranstaltungsbranche verankert ist, traf das Unternehmen die Absage fast aller Veranstaltungen und Events seit Frühjahr 2020 infolge der Pandemie besonders hart. „Wir konnten unsere Umsätze nicht erzielen und waren gezwungen, auf die Kostenstruktur zu schauen“, berichtete die Personalverantwortliche. Kurzarbeit half ebenso wie die gute Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat.

„Wir müssen Personal abbauen“

Auch am Triebwerkhersteller MTU ging die Krise nicht spurlos vorbei. „Schon am Anfang der Pandemie meinte unser Vorstand: ,Wir müssen Personal abbauen‘“, erinnerte sich Hans-Peter Kleitsch auf der Bühne. Weil die Anlernzeit neuer Mitarbeiter allerdings mehrere Jahre dauere – „erst nach fünf oder sechs Jahren bei uns dürfen unsere Mitarbeiter ans Triebwerk“ – schlug Kleitsch einen etwas anderen Weg vor und überzeugte davon auch die Unternehmensleitung. Durch Gleitzeit- und Kurzarbeitsregelungen hielt das Unternehmen Beschäftigte, auch wenn sie zeitweilig weniger zu tun hatten. Wichtig sei in dieser Zeit gewesen, die Kommunikation zu den Führungskräften und Mitarbeitern nicht abreißen zu lassen. Daher seien unter anderem Führungskräfteschulungen mit Onlineworkshops in regelmäßigen Abständen implementiert worden, ebenso wie es Formate gab, die Stimmung der Mitarbeiter aufzunehmen und deren Fragen und Belange aufzunehmen.

Während auch Advant Beiten – zu jener Zeit noch Beiten Burkhardt – zu Beginn der Pandemie wie andere Arbeitgeber Home-Office-Regelungen für die eigene Belegschaft einführte, mussten sich deren Arbeitsrechtler mit zahlreichen aktuellen und mithin noch ungeklärten Fragen in diesem Zusammenhang beschäftigen. Thomas Drosdeck nannte in der Diskussion ein Beispiel: „Wenn Mitarbeiter auf Home-Office geklagt haben, ging es meist um die Frage, ob das technische Equipment und der Job das überhaupt hergeben.“ Das seien regelmäßig Einzelfragen gewesen, über die sich langsam ein vorsichtiges Bild abzeichnete. „Es gibt aber noch keine eindeutige Corona-pro-Arbeitgeber oder -pro-Arbeitnehmer-Rechtsprechung“, stellte der Arbeitsrechtler fest. Lediglich bei den Themen Maskenpflicht und Hygienekonzepte hätten die Gerichte fast immer im Sinne strenger Regeln durch den Arbeitgeber entschieden.

Katalysator für ohnehin nötige Regelungen

Insgesamt war die Einschätzung auf der Bühne, dass die Krise auch positive Folgen haben wird und als Chance begriffen werden könne, unter anderem, weil diese Zeit die intensive Erprobung neuer Arbeitsformen ermöglichte und die Digitalisierung beschleunigte und zudem die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Arbeitnehmervertretungen zum Wohle aller Beschäftigten sehr konstruktiv verlief.

Vor allem aber wirkte Corona auch im Arbeitsrecht als Katalysator für ohnehin nötige Regelungen etwa beim mobilen Arbeiten. Vieles müsse jedoch noch an die neuen Realitäten angepasst werden, zum Beispiel sei der Betriebsbegriff gerade durch Home-Office- und Mobile-Work-Regelungen deutlich aus der Zeit gefallen.

„Grundsätzlich kann festgehalten werden, dass die Krise außergewöhnliche Herausforderungen gebracht hat, diese aber bisher gut gemeistert wurden“, fasste Markus Künzel die Diskussion zusammen. „Es werden erhebliche pandemiebedingte Herausforderungen für viele Unternehmen verbleiben, aber auch neue hinzukommen, unter anderem durch die umfassenden Vorhaben der neuen Bundesregierung, deren Umsetzung nicht lange auf sich wird warten lassen und von HR wiederum Flexibilität und Kreativität in einem hohen Maße abverlangen wird.“