Prof. Dr. Jutta Rump

29.04.20

Agile Organisationen und Total Rewards

Wie Personalarbeit in agilen Unternehmen gelingt und wie sich Mitarbeiter durch Total Rewards motivieren lassen, darüber sprach Prof. Dr. Jutta Rump, Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability (IBE), Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen, beim 4. Praxisforum Total Rewards.

Viele Unternehmen richten ihre Arbeitsformen agil aus. In der heutigen VUCA-Welt, die geprägt ist von schnellen Veränderungen, Unsicherheit, Komplexität und Vielschichtigkeit, müssen sie sich neu aufstellen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Damit das gelingt, sollten sie die Eigenschaften der VUCA-Welt auf ihre Arbeits- und Organisationsformen übertragen. Das heißt, sie müssen wendiger, schneller und beweglicher sein als die Mitbewerber, kurz: sich agil aufstellen.

Trends in der heutigen Arbeitswelt

Neben der VUCA-Welt sehen sich Unternehmen auch ökonomischen Trends gegenüber: Globalisierung, grenzenlose Mobilität, aber auch Protektionismus, der gerade in der Corona-Krise noch stärker zum Vorschein tritt, sowie technologische Entwicklungen wie Künstliche Intelligenz, Algorithmen, Robotics, 3D-Druck, Data Analytics und neuronale Netze beeinflussen das Wirtschaftsleben.

Zudem sehen sich Unternehmen demographischen Entwicklungen wie Nachwuchsmangel, einem sinkenden Angebot an Arbeitskräften, Generationenvielfalt, Alterung und der Verlängerung der Lebensarbeitszeit gegenüber. Des Weiteren haben auch sozio-ökonomische Trends Einfluss auf die Arbeitswelt.

Agile Prozesse erfordern transparentes C & B-System

Wer auch immer agile Formen einführt, muss sich Gedanken über Compensation und Benefits innerhalb dieses agilen Systems machen. Das Compensation-and-Benefits-Modell (C & B-Modell) muss Gleichheit schaffen, aber auch – im Kontrast dazu – die Leistung einzelner berücksichtigen, beispielsweise dann, wenn bestimmte Leistungsträger im Team vorhanden sind.

Unternehmen brauchen ein C & B-System, das die Flexibilität von Märkten abbildet, das aber auch auf die Märkte reagiert. Zudem muss es, weil jedes Unternehmen im Wettbewerb steht, leistungsfähig in Bezug auf Kosten sein.

Ein Unternehmen, das auf alle äußeren Einflüsse der heutigen Welt eingehen möchte, bräuchte ein C & B-System, das folgenden Punkten gerecht wird:

  1. Leistungsorientierung
  2. Veränderungsbereitschaft
  3. Individualität
  4. Binnendifferenzierung
  5. Relative Gerechtigkeit
  6. Gleichheit
  7. Lebensphasenorientierung
  8. Flexibilität
  9. Transparenz
  10. Partizipation
  11. Wettbewerbsfähigkeit
  12. Nachhaltigkeit
  13. Umsetzbarkeit (finanziell, prozessual, kulturell)

Diese 13 Anforderungen widersprechen sich teilweise. Jedes Unternehmen müsse sich daher klar werden, welche Prioritäten es setzen möchte, empfiehlt Jutta Rump.

Dynamisches C & B-System erforderlich

Um diesen Widerspruch aufzulösen, sollte jedes Unternehmen aus seiner Geschäftspolitik, seiner Strategie und aus seinen Werten bestimmte Faktoren ableiten und diese mit den 13 Anforderungen abgleichen. Dann könne es sehen, welche Kriterien hohe Priorität haben und welche eine untergeordnete Rolle spielen.

Daraus ergibt sich das Spiegelbild für Compensation & Benefits. Aus den wichtigsten Anforderungen kann ein Unternehmen sein C & B-System ableiten und damit sein Employer-Branding festigen.