deagreez - stock.adobe.com

09.10.20

Mobile Work: Recht auf mobiles Arbeiten und Regeln zu Zeiterfassung sinnvoll

Eine Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung unter mehr als 6.000 Beschäftigten zeigt, dass ein gesetzlicher Rahmen für mobile Arbeit inklusive eines Rechts auf Homeoffice sinnvoll sein kann. Darüber hinaus sollte die Zeiterfassung auch im Homeoffice objektiv sein, so die Ergebnisse der Studie. Betriebs- und Personalräte sollten bei Regelungen zum Homeoffice in Unternehmen einbezogen werden.

Die Vor- und Nachteile von Arbeit im Homeoffice beleuchtet eine aktuelle Befragung der Hans-Böckler-Stiftung. Dazu hat sie mehr als 6.000 Erwerbstätige befragt. Von den Befragten, die zum Befragungszeitpunkt Ende Juni 2020 zumindest teilweise mobil arbeiteten, gaben fast vier Fünftel (77 Prozent) an, dass sich die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben durch Homeoffice verbessert. Allerdings hatten 60 Prozent der Befragten auch den Eindruck, dass die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben verschwimmen. Rund zwei Fünftel (37 Prozent) gaben an, im Homeoffice mehr Wochenstunden zu arbeiten.

Heimarbeit könne zusätzlichen Druck erzeugen, vor allem, wenn sie im Unternehmen zuvor als nicht selbstverständlich galt und es dafür keine klaren Regeln gebe, betont Prof. Dr. Bettina Kohlrausch, wissenschaftliche Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. So zeigten ältere Studien, dass sich Beschäftigte im Homeoffice nicht selten verpflichtet fühlen, mehr leisten zu müssen und über die vereinbarte Arbeitszeit hinaus zu arbeiten, um das „Privileg“ mobiler Arbeit zu rechtfertigen. Dieses Risiko sei besonders groß, wenn die mobile Arbeitszeit nicht erfasst würde.

Damit Homeoffice die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtert, müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Zum einen müssten alle Mitarbeiter, die mobil arbeiten möchten und bei denen die Arbeitsinhalte mobiles Arbeiten erlauben, Zugang zum mobilen Arbeiten erhalten. Zum anderen müssen Arbeit und Freizeit klar voneinander abgegrenzt werden.

Die Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung zeigt auch, dass Mitbestimmungsmöglichkeiten von Betriebs- und Personalräten wichtig sind. Die Befragten beurteilten ihre Erfahrungen mit dem Homeoffice insgesamt deutlich positiver, wenn in ihrem Betrieb klare Regeln zu mobiler Arbeit galten. Solche Regeln hatten im Juni 2020 rund 62 Prozent der Betriebe mit Betriebs- oder Personalrat, aber nur 37 Prozent der Betriebe ohne Arbeitnehmervertretung.