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13.12.21

„Es gibt kein One-fits-all“

Vom Teamsport zum Immunsystem: Über hybrides Arbeiten, gute Teams und Changemanagement als trojanisches Pferd sprachen Thomas Ogilvie von Deutsche Post DHL und Michael Ilgner von der Deutschen Bank im Abschlussinterview des Deutschen HR-Summits.

„Jemanden anderen gut dastehen zu lassen“, sagt Michael Ilgner, „das ist die höchste Ebene der Spielkultur.“ Das galt schon zu seiner Zeit als Wasserballer, und es gilt auch in seinem heutigen Job als Personalchef der Deutschen Bank. Das erklärte Ilgner beim On-Stage-Interview zum Abschluss des 12. Deutschen Human Resources Summits in Frankfurt am Main, bei dem er sich gemeinsam mit Thomas Ogilvie, Personalvorstand von Deutsche Post DHL, den Fragen von Lena Onderka und Cliff Lehnen von der Personalwirtschaft stellte.

Thomas Ogilvie jedenfalls stimmte Ilgner im Verlauf des Interviews zu: „Ein gutes Team zeichnet sich nicht dadurch aus, dass elf Cristiano Ronaldos auf dem Platz stehen.“ Weiter erklärte er: „Es ist vielmehr eine Gruppe von Menschen, die auf ein gemeinsames Ziel hinarbeitet – und jeder macht mit. Das gilt im Sport wie im Unternehmen.“

Die jeweiligen Teams in den Unternehmen sind natürlich ungleich größer als die sprichwörtlichen „elf Freunde“. Ilgner ist bei der Deutschen Bank für rund 85.000 Beschäftigte verantwortlich, Ogilvie sogar für mehr als eine halbe Million. Allein 30.000 Stellen habe sein Unternehmen in den vergangenen 18 Monaten neu besetzt; 3,6 Millionen Bewerbungen habe es gegeben. Diese alle zu bearbeiten, „das geht nur mit digitalen Prozessen“, sagt Ogilvie.

Die Unternehmenskultur als „Immunsystem“

Bei aller Digitalisierung: Ein Post- oder Paketbote wird auch in Zukunft nicht aus dem Home-Office arbeiten können, auch zahlreiche andere Stellen – laut Ogilvie alles in allem 450.000 Menschen – bei der Post sind keine Bürojobs. Konflikte zwischen dieser Mehrheit und der Minderheit der Wissensarbeiter, die letztlich von überall ihrem Job nachgehen können, sieht Ogilvie aber nicht aufkommen. Ob so etwas möglich ist oder nicht, wüssten die Beschäftigten ja von Anfang an. „Und das heißt eben auch, dass ein Verwaltungsmitarbeiter nicht den ganzen Tag an der frischen Luft ist.“ Grundsätzlich habe es diese Ungleichheit zudem schon immer gegeben, etwa im Vertrieb. „Früher hat es aber nur 10 Prozent der Wissensarbeiter betroffen“, erinnert sich der Personaler an die Zeit vor der Pandemie. „Heute sind es 100 Prozent.“ Eine globale Policy, wie es im Hinblick auf den Arbeitsort dieser Beschäftigten nach dem Ende der Pandemie weitergehen soll, werde es trotzdem nicht geben, sagt Ogilvie. „Es gibt schließlich kein One-fits-all.“

Auch bei der Deutschen Bank arbeiten derzeit viele Beschäftigte von Zuhause aus, und auch dort wünschen sich laut Personalchef Ilgner gerade die Jüngeren, dass das auch nach dem Ende der Pandemie so bleibt. „Wir haben aber für uns festgelegt, dass das Büro auch in Zukunft der zentrale Ort bleiben muss“, stellt Michael Ilgner klar. Das gelte nicht nur für jene Jobs, die aufgrund der Regulierung mit viel Dokumentationsaufwand behaftet sind. Sondern auch für alle anderen. „Unternehmenskultur ist ja so etwas wie die gemeinsame Erinnerung eines Unternehmens“, erklärte Ilgner. Und die lasse sich eben nur prägen, wenn man auch zusammenkommt.

Eine funktionierende Unternehmenskultur wiederum vergleicht Ogilvie mit dem menschlichen Immunsystem. „Eine Kultur kann eine Organisation stark machen und damit Unerwünschtes fernhalten,“ erklärte der Personalvorstand. Allerdings sei es wichtig, dass dieses unternehmerische Immunsystem eben nicht auch eigentlich erwünschte Veränderungen abwehre. „Deshalb braucht es ein gutes Changemanagement“, hat Ogilvie beobachtet. Das fungiere dann wie ein trojanisches Pferd – was der Personaler natürlich positiv meint.

Der Text ist in ähnlicher Fassung zuerst auf personalwirtschaft.de erschienen.