Rolf T. Eckel

22.06.22

Wellbeing: Wie steht es um das Konzept in Unternehmen?

Wie Arbeitgeber das Wohlbefinden ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter steigern können und was dabei derzeit schief läuft, darüber sprachen Experten beim 6. Praxisforum Total Rewards.

„Den Mitarbeitenden soll es gut gehen.“ – Dieser Aussage würden wohl die meisten Arbeitgeber prinzipiell zustimmen. Doch die wenigsten Unternehmen haben eine erfolgversprechende Strategie für ein betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM), um das körperliche und seelische Wohlbefinden der Beschäftigten zu fördern. So zumindest war das Fazit von David Göllner, Account Manager beim Versicherungsunternehmen AON, und Volker Nürnberg, Partner im Fachbereich Gesundheitswirtschaft bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO Deutschland, bei ihrem Business-Breakfast-Vortrag beim 6. Praxisforum Total Rewards in Frankfurt am Main.

Göllner stellte die Global Wellbeing-Studie 2021 von AON vor. Demnach sind Arbeitgeber der Meinung, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den größten Einfluss auf das Business haben. Wie für deren Wohlergehen gesorgt und mitarbeiterzentriert gewirtschaftet werden kann, dafür haben allerdings weniger als 60 Prozent eine klare Strategie. Der Mangel an einer strategischen Ausrichtung auf das Wohlergehen der Talente habe negative Konsequenzen, zitierte Göllner das Hauptergebnis der Studie: „Wenn die Wellbeing-Quote eines Unternehmens um 3 Prozent steigt, dann steigt die Unternehmens-Performance generell um 1 Prozent.“

Wie wäre es mit einem Homeoffice-Führerschein?

Volker Nürnberg stellte ergänzend aktuelle Gegebenheiten vor, die in seinen Augen dem Wohlergehen vieler Mitarbeitenden im Wege stehen. So könne die Arbeit aus dem Homeoffice die Gesundheit verschlechtern, wenn einzelne Punkte wie regelmäßige Bewegung, die Möglichkeit zur Abgrenzung von Berufs- und Privatleben, ergonomische Herausforderungen und die eventuelle Entwicklung einer Internetsucht nicht beachtet würden.

„Unternehmen sollten einen Homeoffice-Führerschein für Wellbeing einführen“, schlug Nürnberg vor. Dabei sollte seiner Meinung nach der Fokus auch auf psychische Erkrankungen gelegt werden, denn derzeit nehme die Anzahl der Fehltage aufgrund von mentalen Problemen stark zu. Momentan seien 20 Prozent aller Fehltage auf psychische Erkrankungen zurückzuführen. „In diesen Fällen geht es oftmals nicht nur darum, dass der Akku leer ist, sondern auch darum, dass das Ladekabel defekt ist“, sagte Nürnberg. 

BGM fehlt es an Innovationen

Generell bemängelte der BGM-Experte, dass im Bereich des betrieblichen Gesundheitsmanagements aktuell Innovationen fehlen. „Stattdessen ist die Gesundheitsförderung viel zu kompliziert und zu wenig mit in die digitale Welt umgezogen“, sagte Nürnberg. „BGM soll wieder Spaß machen und muss digitaler werden. Es sollte nicht mit Verboten gearbeitet werden, sondern mit Events und Mitarbeiterwettbewerben mit attraktiven Preisen.“

Auch sollte bei BGM seiner Meinung nach das Miteinander in Organisationen beachtet werden. 80 Prozent der Probleme in Unternehmen seien zwischenmenschlicher Art. Das wirke sich zum einen auf das psychische Wohlbefinden aus. Zum anderen ließen sich Beschäftigte wegen kleiner Wehwehchen eher krankschreiben, wenn sie mit ihrer direkten Führungskraft nicht gut auskommen. Göllner und Nürnberg sind sich einig: Es gibt noch viel zu tun, um das Wellbeing der Mitarbeitenden zu fördern.