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01.12.21

Führung in der Transformation

Welche Kompetenzen benötigen Führungskräfte aktuell, um ihre Teams erfolgreich durch die unsichere Lage zu leiten? Wie viel müssen sie sich selbst dabei verändern? Martin Allerchen von Lindt Sprüngli, Carola Wahl von Generali Versicherung und Dr. Jutta Rump vom Institut für Beschäftigung und Employability tauschten sich zu diesen Fragen in einem Themenforum beim 12. Deutschen HR-Summit aus.

„In disruptiven Zeiten haben wir einen Anfangspunkt aber keine Ahnung, wo wir enden werden“, beschreibt Dr. Jutta Rump, Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability (IBE), die Situation der vergangenen Monate. „Wir bekommen alle ganz viele neue Impulse, so dass sich das, was wir uns vorgenommen haben, verändert.“ Damit entwickelt sich auch die Art zu Führen weiter. 

Zwischen Vergangenheit und Zukunft

Wie bei jeder Transformation sehen sich Manager und Managerinnen mit der Frage konfrontiert: Was sollte verändert werden, und was sollte beim Alten bleiben? Dieses Spannungsfeld gelte es, mutig auszuhalten. „Wir sollten über die Zukunft nachdenken, dabei aber die bewährte alte Zeit nicht komplett begraben“, sagt Martin Allerchen, Arbeitsdirektor beim Schokoladenhersteller Lindt Sprüngli Deutschland. „Alleine schon, weil wir nur lernen können, wenn wir uns die Vergangenheit genau anschauen.“ Die Kunst sei es, mit dem Wissen aus der Vergangenheit in die Zukunft zu blicken. 

Das sei laut Carola Wahl, Verwaltungsrätin bei Generali Versicherungen sowie Beirätin beim Softwareunternehmen powercloud, auch wichtig, da Menschen generell keine Veränderungen mögen. In Transformationsprozessen gelte es deshalb auch, die „Feinde des Wandels“ zu identifizieren und die Change Agents zu unterstützen. Ihr Tipp an Führungskräfte: „Zögern Sie die Konfrontation mit den Feinden so lange hinaus, bis der Pool an Change Agents stark ist und Sie unterstützen kann.“ Den Drang, uns weiterzuentwickeln, haben wir in Krisensituation wie der Coronapandemie laut Rump trotzdem verstärkter als sonst. Denn: „Wenn wir in einer unangenehmen Situation sind, möchten wir uns so schnell wie möglich aus dieser befreien“, sagt Rump. „Deshalb hat die Pandemie dafür gesorgt, dass wir eine Verdoppelung der Veränderungsgeschwindigkeit haben.“ 

Agiles Arbeiten unvermeidlich

Diese Veränderung läute die Zeit des agilen Arbeitens ein. „Es geht jetzt noch mehr denn je darum, Personen nach ihren Stärken in Teams zusammenzusetzen und sie Themen mit der Führungskraft auf Augenhöhe diskutieren zu lassen“, so Rump weiter. „Der intrapersonelle Ansatz, die Überzeugung, dass ein Individuum alleine alles weiß, ist vorbei. Wir brauchen einen interpersonellen Ansatz.“ Vor allem auch bei der Digitalisierung der Arbeitswelt ist Carola Wahl überzeugt: „Agilität ist wichtig, um bei der digitalen Transformation Silos aufzubrechen sowie Prozesse Ende zu Ende zu denken und durchzuführen.“ 

Klar Haltung zeigen

Die erfolgreiche Führungskraft der Zukunft unterstütze diese Art der Arbeit, nutze ihre eigene Tool-Box je nach Situation intelligent, diene aber selbst auch immer wieder als Orientierungspunkt für die Mitarbeitenden. „Zukünftig werden die Führungskräfte erfolgreich sein, die klar ihre eigene Haltung kommunizieren“, sagt Allerchen. Gleichzeitig müssten sie aufgrund der sich wandelnden Umstände, selbst offen für Veränderungen sein und mit einem frischen Bewusstsein einen neuen Fokus setzen. „Fokussierung ist etwas sehr hilfreiches in unsicheren Zeiten“, so Allerchen. Dabei gelte es laut Wahl auch, nicht jeden Trendwandel mitzugehen. „Haben Sie Mut zu Lücke, sonst besteht die Gefahr, dass Sie sich verzetteln!“