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20.04.21

Corona und Digital Leadership: Remote Work erfordert neue Führungskompetenzen

Immer mehr Unternehmen vollziehen die Transformation hin zu einer digitalen, agilen Organisation. Damit verändern sich die Organisation, die Kultur und vor allem die Führungsgrundsätze.

Covid-19 beschleunigt Entwicklungen, die bereits vorher in der Welt waren.“ Andreas Frische von Mercuri Urval fasste auf dem 11. Deutschen HR-Summit seine Erfahrungen aus vielen Beratungsgesprächen zusammen. „Wir stecken heute mitten drin in der VUKA-Welt.“ Noch vor einem Jahr sei weitverbreitete Remote Work mit flexiblen Arbeitszeiten und -orten in traditionellen Unternehmen undenkbar gewesen. „Die Trennung von Management und Füh­rung hilft dabei, die veränderten Zuordnungen beizubehalten“, so Frische. Heute müsse ein Manager Sicherheit geben, wo Sicherheit fehle, und Stabilität schaffen, ohne den Rahmen zu eng zu setzen. „Managen heißt, Freiräume zu schaffen.“ Dafür brauche es viel Kommunikati­on. „Gerade in kritischen Situationen zeigen sich echte Leader“, fasste Frische zusammen.

Roland Hehn von Heraeus skizzierte den Zustand von Führungskräften differenziert. „Manchen fällt es leichter als anderen, in einer Welt voller Unsicherheiten zu agieren.“ Insgesamt sei er positiv überrascht, wie schnell sich Mitarbeiter und Führungskräfte der neuen Arbeitssituation unter Pandemiebedingungen angepasst haben. „Die Angst vor Kontrollverlust spielte bei unseren Führungskräften kaum eine Rolle“, so der Personalleiter. Ihm ist im Hinblick auf Leadership in der Pandemiekrise der Blick nach vorn besonders wichtig. „Wir werden nach dem Abflauen der Pandemie bilanzieren und schauen, welche Dinge, die wir etwa im Sales oder in der Produktion Covid-19-bedingt eingeführt haben, auch in einer normalen Situation besser funktionieren“, erklärte Hehn.

Christa Stienen von DB Schenker sieht in der Logistikbranche eine vollkommen andere Arbeitssituation gegeben. „Wir können nicht alle unsere Mitarbeiter einfach ins mobile Arbeiten schicken“, betonte die Personalchefin. „Ein Gabelstaplerfahrer kann nicht von Zuhause aus arbeiten.“ Die Pandemiesituation sei für viele Führungskräfte eine große Herausforderung gewesen. „Resilienz war und ist in der Krise eine extrem wichtige Führungskompetenz“, hob Christa Stienen hervor. HR bei Schenker musste während des Krisenjahres zahlreiche Personalgespräche mit Führungskräften führen und beratend zur Seite stehen.

Prof. Dr. Stephan Weinert von der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen unterstrich, dass der Wandel in der Führung, der sich Corona-bedingt derzeit schnell voll­zieht, schon seit Jahren in der Arbeits- und Organisationspsychologie bekannt ist. „Dazu zählt, dass Teams im virtuellen Raum genauso gut funktionieren können wie in Präsenz“, sagte der Hochschullehrer. Coachende Führung, die Führungskräfte über digitale Kommunikationsmedien vermitteln müssen, kommt aktuell stark zur Anwendung. „Natürlich sehen wir derzeit ein deutlich höheres Ausmaß, indem diese vermeintlich neuen Formen in Erscheinung treten.“