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02.11.21

Deutscher HR-Summit 2021 – ein Rückblick

Beim 12. Deutschen Human Resources Summit der F.A.Z. Verlagsgruppe sprachen die Referenten und Teilnehmer über Agilität, flexibles Arbeiten und die neue Mündigkeit der Mitarbeiter. Ein Ergebnis: Ein klarer Fokus auf „Moments that matter“ ist hilfreich, um sich als Unternehmen für die Zukunft aufzustellen.

„Wie navigiert eine Führungskraft ein Unternehmen durch unsichere Zeiten?“ – Dieser Frage widmeten sich etwa 120 Personalerinnen und Personaler beim 12. Human Resources Summit. Sie gehörten Unternehmen und Institutionen zahlreicher Branchen und aller Größen an, vom Dax-Unternehmen bis hin zum Start-up. Die Traditionsveranstaltung der HR-Szene fand im Steigenberger Frankfurter Hof in Präsenz statt. Interessierte konnten sie aber auch per Live-Stream online verfolgen.

Beim HR-Summit ging es um für HR wichtige Themen in einer großen Bandbreite: Katharina Rath, Vorstand für Personal bei dem Logistikunternehmen DB Schenker, sprach von globalem und lokalem Krisenmanagement; Frauke von Polier, Chief People Officer beim Heiz- und Klimatechnikunternehmen Viessmann, und Frank Kohl-Boas, Leiter Personal und Recht bei der Zeit Verlagsgruppe, redeten über die neue und wichtige Fokussierung in der Employee-Experience.

Michael Ilgner, Global Head of HR bei der Deutschen Bank, betonte im Doppelinterview mit Thomas Ogilvie, Personalvorstand und Arbeitsdirektor bei der Deutsche Post DHL Group, die verstärkte Bedeutung von Teamarbeit; sein Gesprächspartner empfahl, Mitarbeitende auch als soziale Wesen zu sehen. 

Fokussieren auf das, was zählt

Trotz des breiten Themenspektrums gab es Botschaften und Appelle, die sich durch den gesamten HR-Summit zogen. In unsicheren Zeiten bedürfe es eines klaren Fokus in Form von Werten, Meilensteinen oder besonderen Momenten. Angelehnt an ein SAP-Projekt bezeichnet Frauke von Polier diese Momente als „Moments that matter“.

Das sei nicht mit detaillierten Prozessen zu vergleichen, denn diese brächten in Krisenzeiten, die von Chaos und Unplanbarkeit geprägt sind, das Unternehmen nicht weiter, sondern paralysierten, waren sich die Redner einig. Vielmehr ginge es darum, den Mitarbeitenden einen Purpose zu geben, als Führungskraft klar Haltung zu zeigen, aber nicht den Prozess vorzugeben. In anderen Worten: Das Wie gerät in den Hintergrund. Das Wofür rutscht ins Zentrum der Aufmerksamkeit.

Aber auch das Wer ist wichtig, denn gerade in Krisenzeiten gehe es darum, das Potential des einzelnen Mitarbeiters oder der einzelnen Mitarbeiterin zu erkennen und diese Person an die richtige Stelle zu setzen und mit der richtigen Aufgaben zu betrauen. Dann heiße es, dieser Person Entscheidungsfreiheit und Flexibilität einzuräumen und sie das Problem lösen zu lassen. Zwar nicht allein, sondern im Team, aber mit einer Mündigkeit.

Die Mitarbeitenden sollten auch bestimmen dürfen, wann sie wo arbeiten. Wie viel physische Nähe im zukünftigen Arbeitsleben nötig sei, hinge von Dingen wie der Branche, der jeweiligen Person, der Teamkonstellation und der jeweiligen Aufgabe ab. 

Platz fürs Lernen lassen

Was die zukünftige Arbeitsweise angeht, wird Agilität immer wichtiger und in immer mehr Unternehmen gelebt. Katharina Rath erzählte, wie bei DB Schenker immer mehr Abteilungen agil arbeiten. Deutsche-Bank-Personalchef Michael Ilgner betonte, dass Agilität nur funktioniere, wenn es Platz fürs Scheitern und anschließende Lernen gebe.

Platz fürs Lernen muss es auch außerhalb des direkten „Doings“ geben. In einer Diskussionsrunde zum Thema Up- und Reskilling kamen Marion Rövekamp, Vorständin Personal und Recht und Arbeitsdirektorin beim Versorgungsunternehmen EWE, Armin Rolfink, Direktionspräsident und damit zuständig für das Personal bei der Generalzolldirektion, und Jannis Tsalikis, General Manager HR bei Lautsprecher Teufel, zu dem Ergebnis: Mitarbeitende müssen durch schnelle Lernhappen weitergebildet und mit Begeisterung und Spaß mit den neuen Thematiken in Berührung gebracht werden. 

Ein Unternehmen mit einem Immunsystem

Entscheidend für jegliche Form des flexiblen Arbeitens und erfolgreiche Reaktionen auf Unsicherheiten seien Vertrauen und Kommunikation. Frank Kohl-Boas betonte hier, dass nicht nur von der Führungsebene nach unten kommuniziert werden solle: „Wir brauchen auch eine Bottom-up-Kommunikation, denn ein Unternehmen ist ein lebendiger Organismus, in dem es keine nur aktive und keine ausschließlich passive Seite gibt“, sagte der Leiter Recht und Personal der Zeit Verlagsgruppe. Nur so erkenne man die Bedürfnisse der Mitarbeitenden.

Thomas Ogilvie von der Deutsche Post DHL Group wies darauf hin, dass es wichtig sei, die Mitarbeitenden zu verstehen, denn sie seien alle Teil eines „Immunsystems“ des Unternehmens. Sie könnten Veränderungen anstoßen, wenn sie sich durch Changeprozesse in Gefahr sehen, oder die Organisation stärken, wenn sie gemeinsam eine wirkliche Bedrohung erfolgreich abwehren.

Was tun mit diesen Erkenntnissen? Laut Katharina Rath ist es notwendig, mutig zu sein und bestehende Prozesse abzuschaffen, wenn sie nicht mehr effektiv sind. „HR must be the trusted irritator“, sagte sie. „Ohne uns geht in Zukunft nichts mehr.“

 

Den 12. Deutschen Human Resources Summit hat F.A.Z. Business Media, der Verlag, der auch für die Portale Total Rewards und Comp&Ben verantwortlich ist, gemeinsam mit den Mitveranstaltern Advant Beiten, Cornerstone On Demand, Mercuri Urval und Barmer sowie den Partnern CoachHub und UKG am 28. Und 29. Oktober 2021 veranstaltet. Das Event ist eine strategisch inspirierende Plattform für HR-Entscheider aus Unternehmen. Im Jahr 2022 wird der HR-Summit am 28. Oktober stattfinden.