thyssenkrupp AG, www.thyssenkrupp.com

18.03.20

Coronavirus und Thyssenkrupp: Arbeiten trotz Pandemie

Thomas Reinhold, Pressesprecher Personal bei Thyssenkrupp, erklärt im Interview, wie der Konzern auf die sich ständig neuen Entwicklungen der Pandemie reagiert.

Sie sind ein internationaler Konzern mit mehr als 160.000 Mitarbeitern weltweit. Wie begegnen Sie der aktuellen rasanten Ausbreitung des Coronavirus?

Thomas Reinhold: An allen Standorten weltweit aktualisieren wir laufend die lokalen Pandemiepläne. Am Quartier in Essen zum Beispiel haben wir einen Krisenstab formiert, der für die Steuerung aller Informationen und Entscheidungen zuständig ist. In dem Stab arbeiten zentrale Funktionen eng zusammen, um Informationen auszutauschen und zu bewerten, konkrete operative Entscheidungen zu treffen und die Umsetzung sowie die zügige Kommunikation am Quartier sicherzustellen. Zu dem Krisenstab gehören Experten für Arbeitssicherheit und Gesundheit, die Personalabteilung, das Gebäudemanagement und Mitarbeiter der Unternehmenssicherheit. 

Die lokalen Einheiten beurteilen ihre jeweilige Lage in eigener Verantwortung und entscheiden im Austausch mit der Zentrale in Essen, ob und wie der Geschäftsbetrieb weitergeführt werden kann. Sollte es zum Schutz vor Infektionen an einzelnen Standorten nötig erscheinen, könnten viele unserer Mitarbeitenden von zu Hause arbeiten. Wir haben das wegen der Schulschließungen in Deutschland vor kurzem noch einmal mitgeteilt. 

Das Ganze erfordert eine sorgfältige Güterabwägung im Einzelfall. Dabei sind wir auch mit unseren Kunden und den Behörden im engen Kontakt. So hatten wir selbst in Wuhan einen Notfallbetrieb für Aufzüge sichergestellt, damit die Krankenhäuser sich auf Wartung und Service für ihre Aufzüge verlassen konnten. 

Wie koordinieren Sie von Deutschland aus die Entscheidungen? 

Thomas Reinhold: Der Vorstand der Thyssenkrupp AG hält tägliche Meetings ab und agiert als oberstes Koordinationsgremium für das Unternehmen. Alle zwei Tage findet ein erweitertes telefonisches „Corona-Meeting“ des Vorstands mit den CEOs der verschiedenen Geschäfte statt. Auf diese Weise ist ein wechselseitiger Informationsfluss sichergestellt. Schritte in den einzelnen Geschäften werden diskutiert und in ihrer Machbarkeit bzw. Wirksamkeit bewertet. Denn in der aktuellen Situation kommt erschwerend hinzu, dass international die Lage bzw. der Betroffenheitsgrad einzelner Länder und Märkte zum Teil sehr unterschiedlich ist. Entscheidungen werden vor Ort getroffen und können daher unterschiedlich sein. 

Der Vorstand wird seit Ausbruch des Coronavirus in China von einem Arbeitskreis beraten. Die globale Fachorganisation für Arbeitssicherheit und Gesundheit (OSH) tauscht sich regelmäßig mit den Geschäften in aller Welt aus. Es geht dort vorrangig um den Gesundheitsschutz unserer Mitarbeitenden, aber auch um Fragen, die Sicherheit und Kontinuität des Business betreffen. So ist ein Reiseverbot von und nach China entstanden, außerdem zuletzt weitere Verbote, bezogen auf Korea, Iran, Italien sowie den Osten Frankreichs.

Haben Sie den Arbeitskreis erst im Zuge der Ausbreitung des Coronavirus ins Leben gerufen?

Thomas Reinhold: Zur Zeit ist der Austausch besonders eng. Aber auch in weniger angespannten Situationen arbeiten die Mediziner, Psychologen Gesundheitsmanager oder Sicherheitsingenieure eng mit dem Business zusammen, um erfolgreich arbeiten zu können. 

In normalen Zeiten beschäftigen sie sich beispielsweise damit, wie Arbeitsunfälle vermieden und psychische Belastungen am Arbeitsplatz minimiert werden können. Im Moment ist natürlich der Umgang mit der Pandemie das Hauptthema.

Welche konkreten Maßnahmen haben Sie in Deutschland umgesetzt, um die Ausbreitung des Coronavirus zu reduzieren?

Thomas Reinhold: Wir haben inzwischen Beschäftigte aus Risikogruppen und Schwangere aufgefordert, von zu Hause zu arbeiten. In einem zweiten Schritt haben wir begonnen, auch in der Hauptverwaltung und andernorts dafür zu sorgen, dass möglichst viele Mitarbeitende von zu Hause arbeiten. Ab sofort sind physische Meetings bei Thyssenkrupp auf ein Minimum zu beschränken und möglichst zu unterlassen. Nur solche persönlichen Treffen von maximal fünf Beschäftigten sind noch erlaubt, die sich nicht über andere Kommunikationsmittel wie Telefonkonferenzen oder Onlinemeetings organisieren lassen und betrieblich dringend erforderlich sind. 

Alle Reisen, national wie international, sind ab sofort nicht mehr erlaubt. Einzelne, gut begründete Ausnahmen für geschäftskritische Termine müssen von den Vorständen genehmigt werden. Und noch eines: Mittlerweile ist die Kantine in Essen geschlossen. Das ist aktuell unser Beitrag, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. 

Thyssenkrupp hat früh die interne Kommunikation verstärkt, um für Transparenz und Aufklärung zu sorgen. Hygienevorschriften, Nies- und Hustenetikette sollten alle verinnerlicht haben. Wir appellieren an unsere Mitarbeitenden, sich zu informieren und einen klaren Kopf zu bewahren. 

Thyssenkrupp befindet sich derzeit im „Task-Force-Modus“. Neben den wirtschaftlichen Herausforderungen geht es um die Gesundheit aller Mitarbeitenden. Jeder Einzelne kann durch sein Verhalten dazu beitragen, sich und sein Umfeld zu schützen. Damit tragen wir dazu bei, wirtschaftlichen Schaden von unseren Unternehmen abzuwenden.