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23.04.21

Talente: Berufliche Weiterbildung muss verbessert werden

Die Arbeitswelt ist im Umbruch. Nicht nur die Corona-Pandemie, auch globale Trends wie Digitalisierung, neue Technologien, demografischer und ökologischer Wandel und Strukturwandel des Arbeitsmarktes beeinflussen das Arbeiten. Infolge dieser Veränderungen wächst der Bedarf an Weiterbildung. Die OECD hat in einer Studie untersucht, wie es um die Weiterbildung in Deutschland steht, welche Vorteile hiesige Angebote und Strukturen haben und wo optimiert werden kann.

Die OECD prognostiziert, dass sich mehr als jeder zweite Arbeitsplatz in Deutschland in den kommenden 15 Jahren durch die Digitalisierung stark verändern oder ganz wegfallen wird. Demgegenüber werden aber auch neue Berufsfelder entstehen.

Unternehmen und Arbeitnehmer müssen diesen Wandel mitgehen und sich für die Arbeitswelt von morgen weiterbilden und qualifizieren. Das deutsche Weiterbildungssystem muss diese Veränderungen berücksichtigen und die Karriereentwicklung von Fachkräften ebenso wie von Geringqualifizierten oder ungelernten Kräften unterstützen. 

Weiterbildungslandschaft in Deutschland nicht optimal

In einer Studie hat die OECD nun die Weiterbildungslandschaft in Deutschland untersucht und herausgefunden, wo Optimierungsbedarf besteht. Insbesondere zwei Trends spiegeln sich wider:

  • Deutschlands Weiterbildungslandschaft hat eine der komplexesten Governance-Strukturen im OECD-Raum. Für Weiterbildung sind viele Organisationen, Unternehmen, Sozialpartner, Weiterbildungsträger, aber auch die Bundes- und Länderregierungen verantwortlich. Das führt zu einem komplexen Angebot. Zwar gibt es individuelle Angebote, die die Bedürfnisse von Arbeitnehmern, Unternehmen und regionalen Arbeitsmärkten berücksichtigen. Allerdings müssen sie diese Angebote koordinieren. Das ist eine Herausforderung, beispielsweise, wenn Arbeitnehmer passende, qualitativ hochwertige Weiterbildungsangebote oder Fördermöglichkeiten suchen.
  • Deutschland hat bereits Maßnahmen getroffen, um die Zukunftsfähigkeit des Weiterbildungssystems zu verbessern. Mit der im Juni 2019 verabschiedeten Nationalen Weiterbildungsstrategie (NWS) bündelt es Aktivitäten der Bundesministerien, der Länder, der Bundesagentur für Arbeit, der Sozialpartner wie Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände sowie der Wirtschaftspartner wie Industrie- und Handelskammern. Anhand von zehn gemeinsam festgelegten übergreifenden Handlungszielen strebt Deutschland eine einheitliche und strategischer Politikgestaltung im Bereich der Weiterbildung an. Es berücksichtigt die internationale Praxis, entwickelt nicht-formales und informelles Lernen weiter, führt Teilqualifikationen in spezifischen Bereichen ein und fördert Weiterbildungsmöglichkeiten an Hochschulen. Derartige Maßnahmen werden allerdings bislang oft auf Projektbasis umgesetzt und kaum in das bestehende Weiterbildungssystem eingegliedert. Somit ist das System weiterhin komplex, undurchsichtig und teils auch wenig effizient.

Erfolgsfaktor: leistungsfähiges Berufsbildungssystem

Nach der Beurteilung der OECD liegt Deutschland bei der Beteiligung an Lernangeboten, die über die Erstausbildung hinausgehen, deutlich hinter anderen, leistungsstarken OECD-Ländern. Die Weiterbildungsbeteiligung variiert erheblich je nach Bevölkerungsgruppe. Das ist angesichts eines sich rasch verändernden Arbeitsmarktes problematisch, da die Teilnahme an Weiterbildungsmaßnahmen eine Voraussetzung dafür ist, dass Einzelpersonen, Unternehmen und Volkswirtschaften die Chancen des Wandels nutzen können.

Die OECD empfiehlt, dass Entscheidungsträger ein zukunftsfähiges Weiterbildungssystem in Deutschland schaffen, das alle Menschen befähigt, sich auf die Veränderungen der Arbeitswelt von morgen einzustellen. Nur dadurch kann Deutschland seine starke Wirtschaftsleistung aufrechterhalten und weiterhin eine hohe Lebensqualität gewährleisten. Die Studienautoren geben zudem Empfehlungen, wie die Organisationen in Deutschland die Weiterentwicklung auf Grundlage internationaler Praxis verbessern können.