22.07.14

Qualifizierung in der Nische gefragt

Neue Compliancevorgaben und ein wachsender Bedarf an Expertise im Mittelstand treiben die Nachfrage nach Weiterbildung.

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„Compensation & Benefits ist eine sehr spezielle Nische innerhalb der Human Resources“, ordnet Karl-Friedrich Raible das Vergütungsmanagement in die Personalwirtschaft ein. Als Mitglied der Geschäftsleitung und Partner verantwortet er für den Vergütungsberater Kienbaum Management Consultants Schulungen zu Vergütungsfragen. „An Hochschulen taucht das Thema bestenfalls nebenher auf, vielleicht mal in einem Seminar, einem Vortrag oder einer Abschlussarbeit“, resümiert Raible, „doch wir haben in Deutschland noch keine unabhängige Hochschulaus- oder -weiterbildung zu Compensation & Benefits.“

 

Vielleicht braucht es auch noch keinen staatlich anerkannten Hochschulabschluss, denn Vergütungs- und Personalberatungsgesellschaften bedienen bislang die Nachfrage nach Weiterqualifizierung. So entwickelte Kienbaum aus Inhouseschulungen für eigene Mitarbeiter Seminare für Kunden. Das Angebotsspektrum beginnt bei der Schulung der Grundlagen von Compensation & Benefits und reicht bis zur Masterclass. Hinzu kommen Seminare zu Spezialthemen wie der betrieblichen Altersversorgung, Zeitwertkonten und Long Term Incentives.

 

Neue Nachfrage nach Weiterbildung kommt aus dem Mittelstand. „In großen mittelständischen Unternehmen sind HR-Generalisten oft überfragt, wenn es um moderne Vergütungsinstrumente geht“, berichtet Raible aus der Praxis, „die Personalverantwortlichen kennen sich in der Entgeltabrechnung und in Tarifverträgen bestens aus, doch sie stoßen an die Grenzen ihres Wissens, wenn etwa über performanceorientierte variable Vergütungssysteme oder Flexible Benefits zu sprechen ist.“ In solchen Situationen sind entweder externe Berater gefragt, oder die Unternehmen lassen ihre Fachleute weiterbilden.

 

Manche Betriebe stellen direkt einen Experten für Comp & Ben ein. Insbesondere große mittelständische Unternehmen haben in den vergangenen Jahren entsprechende Planstellen eingerichtet und Fachkräfte engagiert, die zuvor oft in börsennotierten Konzernen oder als Vergütungsberater gearbeitet haben. Gerade jüngeren Vergütungsexperten, die in der Entgeltabrechnung tätig waren und zudem Erfahrungen an der Schnittstelle zwischen Personalmanagement und Corporate Finance gesammelt haben, gelingt per Jobwechsel zu einem anderen Arbeitgeber ein Karrieresprung.

 

Dabei ist die Fluktuation unter den Comp & Ben-Leitern in Großkonzernen nach Beobachtung von Karl-Friedrich Raible von Kienbaum eher gering. „Das sind zumeist Leute, die schon seit Jahrzehnten im Unternehmen sind und genau wissen, wie es tickt.“ Die tiefe Verwurzelung im Unternehmen und ein enges Vertrauensverhältnis zum Vorstand seien Grundvoraussetzungen für diese Spezies. „Häufig spiegelt sich die Unternehmenskultur in der Vergütungsphilosophie wider“, erläutert Raible, „ganz gleich, ob es sich um einen sehr konservativ rechnenden Versicherer handelt oder um einen Softwarekonzern.“

 

Doch auch diese Vergütungsprofis, die mit allen Wassern gewaschen sind, müssen sich hin und wieder auf den aktuellen Stand über das bringen lassen, was sich in Brüssel und Berlin vollzieht. Das Gleiche gilt für Vorstandsmitglieder und Aufsichtsräte in börsennotierten Aktiengesellschaften. Hier sieht Karl-Friedrich Raible einen wachsenden Bedarf: „Heute werden wir immer öfter für Inhouseseminare vor dem obersten Führungskreis und den Leitern Comp & Ben angefragt.“