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10.04.19
Entgelt

Was bedeutet Total Rewards?

Ein Total-Rewards-Konzept umfasst alle HR-Instrumente, die ein Arbeitgeber einsetzen kann, um Mitarbeiter zu gewinnen, zu motivieren und zu halten. Dabei können alle Elemente aus der Beziehung zwischen dem Arbeitgeber und seinen Beschäftigten eine Rolle spielen. Dazu zählen eine feste und eine variable Vergütung, monetäre Benefits und Sachentgelten, Angebote für die Arbeit sowie Entwicklungsmöglichkeiten und Leistungen rund um den Arbeitsplatz und die Arbeitszeit.

Die Vergütungswelt hat in den beiden zurückliegenden Jahrzehnten einige Benefitsansätze gesehen, die nur mäßig erfolgreich waren. Vor allem Cafeteriamodelle verfehlten mit ihren gutgemeinten Angeboten häufig den Bedarf der Belegschaften. Ein erfolgversprechender Ansatz, Flexible Benefits, hat sich bislang hierzulande noch nicht durchsetzen können. Dabei gewährt der Arbeitgeber seinen Beschäftigten jeweils ein individuelles Budget, das der einzelne Mitarbeiter nach eigener Wahl in die angebotenen Benefits investieren kann, und das flexibel entsprechend dem eigenen Bedarf und der eigenen Lebenslage.

Einen umfassenden strategischen Ansatz für die Gewinnung, Bindung und Motivation von Mitarbeitern bieten Total Rewards. Dieser Ansatz wurde vor knapp 20 Jahren vom US-amerikanischen HR-Verband World@Work entwickelt. Er umfasst sechs inhaltliche Komponenten:

  • ein monetäres Entgelt in Form eines Festgehalts und/oder einer (leistungsbezogenen) variablen Vergütung
  • Benefits wie etwa eine bAV, betriebliche Versicherungen, Gesundheits- oder Mobilitätsangebote
  • Prinzipien, Policies, Maßnahmen und Strukturen, die eine persönliche Balance zwischen Privat- und Arbeitsleben sicherstellen sollen
  • Anerkennung: ein Programm oder Maßnahmen, mit denen Mitarbeiter für gute oder sehr gute Leistungen und entsprechendes Verhalten im Sinne der Unternehmensstrategie belohnt werden
  • Performance-Management: das Festlegen von Zielen für die Organisation, für Bereiche, Teams und einzelne Mitarbeiter, das Messen der Zielerreichung, Feedback und Verbesserungsmaßnahmen
  • Talentmanagement bzw. Personalentwicklung durch Maßnahmen für die kurz- und langfristige Kompetenz- und Laufbahnentwicklung

Aus diesen sechs Elementen setzt sich die Total-Rewards-Strategie eines Unternehmens zusammen, um Mitarbeiter anzuziehen, zu motivieren und zu halten, damit sie die angestrebten Resultate im Geschäft erzielen.

Die Entwicklung einer solchen Strategie muss sich an internen Einflüssen orientieren, damit die Strategie so wie gewünscht wirken kann. Dazu zählen die Geschäftsstrategie des Unternehmens, seine Organisation, die Unternehmenskultur und die HR-Strategie. Erst daraus lässt sich eine Total-Rewards-Strategie ableiten. Sie sollte neben internen Aspekten auch externe Faktoren einbeziehen. Darunter fallen volkswirtschaftliche Einflüsse auf die Kosten der einzelnen HR-Elemente, die Entwicklung des Arbeitsmarktes, die Präferenzen der Gesellschaft sowie Vorschriften und Gesetze.

Was soll eine Total-Rewards-Strategie bewirken, wie misst sich ihr Erfolg? Dabei geht es vor allem um den Beitrag, den engagierte, motivierte Mitarbeiter zum Geschäftsergebnis und zu den Zielen des Unternehmens beisteuern. Damit dieser Beitrag möglichst groß ausfällt, müssen die richtigen Mitarbeiter an den richtigen Stellen und in den am besten zu ihnen passenden Rollen eingesetzt werden. Zudem sollten die Beschäftigten motiviert sein, ihre Arbeit im Sinne der Gesamtstrategie möglichst gut machen und sich dem Arbeitgeber gegenüber loyal verhalten.

Eine Total-Rewards-Strategie ist kein starres Konzept, sondern sollte sich permanent dynamisch fortentwickeln und alles aufnehmen, was die Beziehung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer prägt. Dazu zählen natürlich Megatrends wie die Digitalisierung, die Globalisierung, die demographische Entwicklung und die Individualisierung. Sie wirken auch stark auf die einzelnen Komponenten eines Total-Rewards-Ansatzes ein. Besonders bekannte Beispiele dafür waren in der jüngeren Vergangenheit die Diskussion um den individuellen Bonus oder um Equal Pay, um agile Arbeit und eine dazu passende agile Vergütung, aber auch der Trend zu mobilerem Arbeiten, zu heterogenen Berufswegen und zur Team-Performance.