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29.07.21

Vorstandsvergütung: Was Personalvorstände im Dax 2020 verdienen

Was verdient ein Dax-Personalvorstand im Jahr? – Antwort geben die Geschäftsberichte der großen deutschen Unternehmen.

Für unsere Vorstandsvergütungsanalyse der Dax-Personalvorstände haben wir uns durch die Geschäftsberichte jener Konzerne gearbeitet, die im Jahr 2020 Teil des wichtigsten deutschen Aktienindexes Dax waren. Demnach bekam Janina Kugel im Jahr 2020 von allen Personalvorständen in Deutschlands Aktienleitindex Dax die höchste Vergütung – obwohl sie ihren Posten im Siemens-Vorstand schon Ende Januar abgab. Durch Boni und Incentives erhöhte sich ihr Festgehalt von knapp 400.000 auf gut 2,6 Millionen Euro – wobei sie natürlich nicht das ganze Geld nur für einen Monat erhielt.

Die Angabe der Vergütung bezieht sich dabei auf den sogenannten Zufluss nach den Richtlinien des Deutsche Corporate Governance Kodex, da damit jene (Brutto-)Vergütung beschrieben wird, die letztlich an den Vorstand gezahlt wird. Die Versorgungsansprüche, die zusätzlich sechs- bis siebenstellige Beträge ausmachen, haben wir dabei nicht eingerechnet, sondern lediglich feste Gehaltsbestandteile auf der einen und variable auf der anderen Seite.

Gerade variable Gehaltsbestandteile – insbesondere bei Personalvorständen, die im Laufe eines Jahres ausscheiden –, machen einen Großteil der Vergütung aus. Denn auch der nach Janina Kugel Zweitplatzierte im Ranking, Ex-SAP-Personalvorstand und -Arbeitsdirektor Stefan Ries, erhielt zusätzlich zu seinem Grundgehalt von 302.100 Euro für die Monate Januar bis Mai einen Bonus von gut 2,1 Millionen Euro. 

Vorstandsvergütung größtenteils variabel ausgezahlt

Dass die beiden trotz nur weniger Monate Vorstandstätigkeit im Jahr 2020 so viel Geld verdienten, liegt vor allem daran, dass in den meisten Konzernen ein Großteil der Vorstandsvergütung in variabler Form gezahlt wird – und ein nicht zu verachtender Teil davon als Long Time Incentive (LTI), also langfristige Anreize. So entfielen bei Kugel rund 90 Prozent der Boni auf LTI. Umgekehrt fehlen diese variablen Gehaltsbestandteile bei Vorstandsneulingen, unter ihnen Sebastian Biedenkopf. Er erhielt „nur“ 54.000 Euro Festgehalt, da er erst Anfang Dezember 2020 Vorstand Recht, Compliance, Versicherungen und Personalwesen sowie Arbeitsdirektor bei Fresenius wurde.

Zu den Topverdienern gehörten neben Kugel und Reis sowie der Personal- und Infrastruktur-Vorständin von Henkel, Sylvie Nicol (insgesamt 2,05 Millionen Euro), vor allem die Personalchefinnen- und Chefs aus der Automobilbranche. So konnte sich Gunnar Kilian, der bei Volkswagen neben dem Personalressort auch den Bereich Truck & Bus verantwortet, über das höchste Festgehalt (1,4 Millionen Euro) und eine Gesamtjahressumme von gut 2,3 Millionen Euro freuen. Daimler-Personalvorstand und Arbeitsdirektor Wilfried Porth erhielt ebenfalls rund 2,3 Millionen Euro und BMW-Vorständin und Arbeitsdirektorin Ilka Horstmeier immerhin noch gut 2 Millionen Euro.

Dagegen wirken die jeweils insgesamt gut 1,4 Millionen Euro, die Ariane Reinhardt (Continental), Thomas Ogilvy (Deutsche Post) und Birgit Bohle (Deutsche Telekom) für das gesamte Jahr 2020 erhielten, fast schon wie Schnäppchen. Angst vor Altersarmut dürften aber auch diese drei Topführungskräfte nicht haben. Ihre Gehälter zeigen zudem, dass es nach unserer Analyse keinen signifikanten Unterschied zwischen der Vergütung von Männern und Frauen im Dax-Vorstandsbereich gibt.

Beziehen wir auch Vorstandsvorsitzende in unsere Analyse ein, die etwa als Arbeitsdirektor dezidiert auch für den Bereich HR verantwortlich sind, liegen die Gehälter häufig noch einmal höher. So bekam Vonovia-Chef Rolf Buch, der auch für den Bereich Personal zuständig ist, 5,4 Millionen Euro, der Vorstandsvorsitzende und Arbeitsdirektor von Eon, Johannes Teyssen, sogar gut 6 Millionen Euro.