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15.03.22

Mittelständler zahlt Prämie fürs Radfahren

Wer bei Mangelberger Elektrotechnik mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt, bekommt eine Prämie. Geschäftsführer Jürgen Mangelberger setzt dabei komplett auf Vertrauen.

Auf ihrer Website wirbt die Stadt Roth in der Nähe von Nürnberg unter anderem mit ihren „sehr gut ausgeschilderten Radwegen“ um Touristen. Morgens und nachmittags sind dort nicht nur Ortsfremde und begeisterte Hobbyradler anzutreffen, sondern auch Pendler, die mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, zum Beispiel zu Mangelberger Elektrotechnik, einem mittelständischen Unternehmen vor den Toren der Stadt. Das Unternehmen unterstützt Radfahren: Es hat in den vergangenen Jahren nicht nur überdachte Fahrradparkplätze installiert, sondern zahlt auch jedem, der regelmäßig mit dem Fahrrad zur Arbeit kommt, eine monatliche Prämie.

Die Einführung des Bonus hat eine lange Vorgeschichte. „Wir sind mit amerikanischen Konzernen als Kunden großgeworden“, erinnert sich Geschäftsführer Jürgen Mangelberger, zu dessen Kundenstamm neben deutschen Filialisten wie der Burger-Ketter Hans im Glück vor allem weltbekannte Unternehmen wie McDonald’s und Starbucks gehören. So sei das Unternehmen bereits vor etwa 20 Jahren mit dem LEED-Standard – Leed steht für Leadership in Energy and Environmental Design – für ökologisches Bauen und den dahinterstehenden Grundsätzen in Kontakt gekommen, und habe sie für die eigenen Firmengebäude auch angewandt.

Jeder Beschäftigte kann Prämie erhalten

Ein Aspekt ist dabei auch die Verringerung der Firmenparkplätze“, erklärt Mangelberger. Das Unternehmen habe von Anfang an auf eine gute Anbindung per ÖPNV geachtet. „Aber es ist trotz allem schwer, die Leute von ihren Autos zu trennen.“ Deshalb habe das Unternehmen im Jahr 2021 gemeinsam mit dem rund 20 Kilometer entfernten Unternehmen Breit Formenbau die Prämie ausprobiert – und ist seither dabei geblieben. Die genaue Höhe der Prämie bleibt ein Geheimnis, sie ist aber so hoch, dass Empfänger sich davon regelmäßig ein neues Fahrrad oder entsprechende Reparaturen leisten könnten.

Grundsätzlich könne jeder Beschäftigte die Prämie bekommen. Einzige Voraussetzung sei, dass er regelmäßig mit dem Fahrrad zur Arbeit komme – natürlich nicht zwangsläufig auch bei Glatteis und Schnee. Und auch, wer auf dem Weg den Wocheneinkauf machen möchte, darf das Auto nehmen. „Erst wenn wir feststellen, dass jemand in den Sommermonaten über einen längeren Zeitraum täglich mit dem Auto kommt, dann wird die Prämie gestrichen“, sagt Mangelberger. Ansonsten setze er auf Vertrauen.

Gesunde und fitte Mitarbeiter

Neben den Umwelt- und Platzaspekten – ein Fahrrad benötigt deutlich weniger Parkraum als ein Auto – sieht der Unternehmer vor allem Vorteile im Personalbereich. „Uns geht es auch darum, gesunde Mitarbeiter zu haben“, sagt er. Und eine solche Prämie locke vielleicht auch das eine oder andere Talent an. Das seit in Zeiten des Fachkräftemangels kein zu unterschätzender Faktor.

Ein Großteil der Mitarbeitenden kommt, wie im Mittelstand üblich, aus der direkten Umgebung. Doch auch Mitarbeitende mit einer längeren Pendelstrecke können die Prämie bekommen, denn es müsse nicht der ganze Arbeitsweg mit dem Fahrrad zurückgelegt werden „Es ist völlig in Ordnung, mit der S-Bahn zum Rother Bahnhof zu fahren und von dort dann weiter mit dem Rad“, sagt Mangelberger. Nur das Auto soll eben stehenbleiben.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf unserer Schwesterseite Personalwirtschaft.de.