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24.04.22

Mindestlohnerhöhung könnte mehr Frauen von Teilzeitarbeit überzeugen

Eine ifo-Simulationsanalyse zeigt: Durch den höheren Mindestlohn könnten zwar mehr Menschen eine Arbeit aufnehmen, doch viele Vollzeitbeschäftigte würden auch ihre Arbeitszeit reduzieren.

Die geplante Mindestlohnerhöhung könnte dafür sorgen, dass mehr Frauen in Teilzeit arbeiten. Dies sagen ein Wissenschaftler und eine Wissenschaftlerin des ifo-Instituts mit einer Simulationsanalyse voraus. Ihre Vermutung: Steigt der Mindestlohn wie geplant im Oktober 2022 auf 12 Euro, würden mehr Frauen ihre Arbeitszeit verkürzen und teilweise auch von einer Vollzeitanstellung in einen Mini- oder Midijob wechseln.  Denn für viele verheiratete Frauen ist diese Option aus strategischen und steuerrechtlichen Gründen besser, als eine Vollzeitbeschäftigung. Für HR hieße das wiederum, mehr bürokratischen Aufwand, da mehr Menschen für weniger Stunden pro Woche im Unternehmen arbeiten.

Diese Vorhersage ergebe sich nicht nur aus der Erhöhung des Mindestlohns sowie der Anhebung der Minijobgrenze auf 520 Euro pro Monat, sondern auch aus der Ausweitung der Gleitzone für Midijobs auf 1.600 Euro bei gleichzeitigem Gleichbleiben der Regelung zum Ehegattensplitting. Damit wird es einfacher, mehr Geld mit einer Geringbeschäftigung zu verdienen und nicht aufgrund des Ehegattensplittings – wie es bei einer Vollzeitbeschäftigung der Fall wäre – mehr Steuern zahlen zu müssen.

Zweischneidiges Schwert

betonten die Koalitionspartner: Mit der neuen Regelung soll vermieden werden, dass Minijobs als Ersatz für reguläre Arbeitsverhältnisse missbraucht oder zur Teilzeitfalle insbesondere für Frauen werden.

Dass diese Ziele mit der Reform möglicherweise nicht erreicht werden, hatten zuvor verschiedenste Vertreterinnen und Vertreter aus der Wirtschaft und Forschung angemerkt. So auch Johannes Seebauer, Mindestlohnexperte vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). „Minijobs konkurrieren mit sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung, und sind – vor allem für verheiratete Frauen – Teilzeitfallen und anfällig für Missbrauch", sagt Seebauer.

Die Methode der ifo-Analyse

Um einzuschätzen, wie sich die neuen Mini- und Midijobreformen auf die Arbeitswelt auswirken könnten, haben Maximilian Blömer, wissenschaftlicher Mitarbeiter am ifo-Institut, und Valentina Consiglio, Projektmanagerin im Projekt „Beschäftigung im Wandel“ der Bertelsmann Stiftung, mit dem sogenannten empirisch geschätzten Haushaltsmodell der Discrete-Choice-Klasse des ifo gearbeitet. Damit simulierten sie, wie sich die Reformen (auch unter Einbezug geplanter Steuerentlastungen) im Vergleich zum bisherigen Rechtsstand auf den Belastungs- und Beschäftigungsstand auswirken.  

Der Artikel erschien zuerst auf unserer Schwesterseite Personalwirtschaft.de.