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08.03.22

Gender Pay Gap bleibt groß

Equal Pay Day: Derzeit verdienen Frauen durchschnittlich 18 Prozent weniger als Männer. Der bereinigte Gender Pay Gap liegt bei 6 Prozent.

Frauen haben auch im Jahr 2021 weniger verdient als ihre männlichen Kollegen. Laut Statistischem Bundesamt ist der Bruttostundenlohn weiblicher Beschäftigter durchschnittlich 18 Prozent niedriger als der der männlichen Mitarbeiter. Damit bleibt der unbereinigte Gender Pay Gap auf dem Vorjahresniveau, das immerhin fünf Prozentpunkte niedriger liegt als 2006.

Im Detail sieht die aktuelle Situation folgendermaßen aus: Während Frauen durchschnittlich einen Bruttostundenlohn von 19,12 Euro erhalten, bekommen Männer 23,20 Euro. Stündlich verdienen weibliche Talente damit 4,08 Euro weniger als ihr männliches Pendant. Der Lohnunterschied hängt dabei stark vom Bundesland des Arbeitgebers ab. Liegt der Gender Pay Gap in Westdeutschland bei 19 Prozent, beträgt er in Ostdeutschland nur 6 Prozent. Obwohl die östlichen Bundesländer hinsichtlich der Entgeltgleichstellung weitaus besser abschneiden, hat sich die Lohnlücke dort seit 2006 nicht verändert.

Lohnlücke bei Jüngeren wird kleiner

Der Verdienstunterschied lässt sich laut Statistischem Bundesamt zu 71 Prozent auf unterschiedliche Qualifikationen, Tätigkeiten und Erwerbsbiografien zurückführen, die zwischen Männern und Frauen bestehen. Demnach arbeiten Frauen häufiger in Branchen und Berufen, in denen schlechter gezahlt wird. Zudem haben sie weniger häufig Führungspositionen inne. Werden diese Kriterien herausgerechnet, so ergibt sich ein bereinigter Gender Pay Gap von sechs Prozent.

Ob dieser die reelle Lohnlücke zwischen Frauen und Männern widerspiegelt, ist allerdings ebenfalls unklar. „Es ist davon auszugehen, dass die Unterschiede geringer ausfielen, wenn weitere Informationen über lohnrelevante Einflussfaktoren für die Analyse zur Verfügung stünden“, heißt es von Seiten des Statistischen Bundesamtes. So würden Faktoren wie Erwerbsunterbrechungen aufgrund von Schwangerschaft, der Geburt eines Kindes oder der Pflege von Angehörigen nicht mit eingerechnet werden.

Hinzu kommt: Die Lohnlücke hat sich hauptsächlich bei den Jüngeren verringert. Das geht aus einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) auf Basis von Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) hervor. So fiel der Gender Pay Gap bei den unter 30-Jährigen von durchschnittlich rund 15 Prozent in den Jahren 1990 bis 1999 auf 8 Prozent im Durchschnitt der Jahre 2010 bis 2019, wohingegen er in den Altersgruppen ab 40 Jahre bei deutlich über 20 Prozent stehenblieb.

Dass die Verdienstunterschiede bei für Mitarbeitern in jüngeren Jahren inzwischen geringer ausfallen, liegt unter anderem auch daran, dass junge Frauen heute häufiger einen Universitätsabschluss haben als Männer und ihr erstes Kind später bekommen als früher. Die Familiengründung jedoch stellt dann einen Wendepunkt für die Erwerbsbiografie und damit die Gehälter von Frauen dar. Frauen legen nach der Geburt des ersten Kindes längere berufliche Pausen ein und arbeiten häufiger in Teilzeit, weil sie immer noch häufiger als Männer die Sorgearbeit übernehmen. Bei Nebenjobs während des Studiums ist einer aktuellen Studie zufolge gar kein Pay Gap mehr erkennbar.

Frauen besser fördern

Auf den Lohnunterschied wird jährlich unter anderem mit der Equal-Pay-Day-Kampagne des Vereins Business and Professional Women (BPW) aufmerksam gemacht. Die Initiative wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert. „Wir müssen die Talente von Frauen fördern, ihnen Berufswege eröffnen, in denen sie bislang in der Minderheit waren, und auch Tätigkeiten neu bewerten, die bislang zu wenig Anerkennung erfahren haben“, sagt Bundesfamilienministerin Anne Spiegel. Dabei wolle auch die Politik helfen: „Wir werden die Wirkung des Entgelttransparenzgesetzes auswerten und nachschärfen, um die Lohngleichheit zu verringern. Gleichzeitig muss ebenso die unterschiedliche Bezahlung in frauendominierten und männerdominierten Berufen auf die Agenda.“

Eine bisher noch größtenteils männlich geprägte Berufsgruppe hat die BPW in den Fokus ihrer diesjährigen Kampagne gestellt: Jobs im IT-Sektor. Dort gibt es einen Mangel an Frauen, der verringert werden soll. „Wir brauchen mehr Frauen im zukunftsträchtigen IT-Sektor, gleichen Zugang für Frauen und Männer zu Weiterbildungsangeboten sowie diskriminierungsfreie Algorithmen für Personalauswahl oder Kreditvergabe“, sagt Uta Zech, Präsidentin des BPW Germany. „Und selbstverständlich müssen sich zusätzliche Fähigkeiten und Qualifikationen in der Bezahlung widerspiegeln.“

Der Beitrag ist zuerst auf der Seite unserer Schwesterpublikation Personalwirtschaft erschienen.