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08.03.21

Gender Pay Gap: Corona-Pandemie als Chance für Gleichstellung

Laut einer Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts hat die Corona-Pandemie zu einer kurzfristigen Verringerung der Gender Pay Gap geführt. Allerdings liegt dies vor allem daran, dass Männer öfter als Frauen arbeitslos wurden und in Kurzarbeit gingen.

Die Corona-Pandemie kann entweder eine Chance für mehr Gleichstellung zwischen Frauen und Männern bei Lohn, Arbeitszeiten und Sorgearbeit sein – oder bestehende Ungleichheiten verschärfen. Das geht aus einer Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung hervor. Demnach hat sich die Gender Pay Gap – der Unterschied zwischen den durchschnittlichen Löhnen von Männern und Frauen – besonders in der ersten Infektionswelle im April 2020 kurzzeitig verringert und liegt im März 2021 bei 19 Prozent. Der Grund dafür ist allerdings, dass infolge der Pandemie Männer öfter als Frauen arbeitslos wurden oder in Kurzarbeit mussten. 

Kinderbetreuung bleibt vermehrt Aufgabe der Frauen

Dennoch waren es laut der Studie vor allem Frauen, die die Kinder betreuten, als die Schulen und Kitas schlossen. Im April 2020 verringerten deshalb rund 24 Prozent der Mütter ihre Arbeitszeit. Bei den Vätern waren es nur 16 Prozent. Die Verteilung der Kinderbetreuung blieb dabei bei 75 Prozent der 7.600 befragten Erwerbstätigen und Arbeitslosen vor und während der Krise gleich.

Allerdings gaben bei der aktuellen Umfrage 12 Prozent der Teilnehmer an, dass die Kinderbetreuung ausgeglichener geworden sei. Denn: Etliche Väter gingen ins Home-Office oder verbrachten aufgrund von Kurzarbeit mehr Zeit zu Hause als vorher. Bei 5 Prozent der Befragten kümmerte sich der Mann nun sogar mehr um die Kinder. Ein Wechsel zur traditionellen Arbeitsteilung fand hingegen bei 7 Prozent der Befragten statt. Diese familienbedingte Reduzierung der Arbeitszeit könnte Frauen zukünftig von Ihrem Arbeitgeber negativ ausgelegt werden und als geringeres Arbeitsengagement angesehen werden, befürchten die Wissenschaftler der Studie. „Ungewünschte Teilzeit“ könnte die Folge sein. 

Frauen bekommen weniger Kurzarbeiter- und Arbeitslosengeld

Traditionell bleibt es meist auch beim „Ehepartnerranking“ hinsichtlich des Einkommens. Oftmals nehmen die Ehepartner bei der Steuer ein Splitting vor, mit dem der Geringverdiener – meist die Frau- in der Steuerklasse V landet und der Mann als Besserverdiener in der Steuerklasse III ist. Damit zahlt die Frau mehr Steuern, als ihr Ehepartner. Da sich Kurzarbeiter- und Arbeitslosengeld am Nettoeinkommen orientieren, erhalten Frauen während der Corona-Pandemie auch weniger finanzielle Unterstützung. Doch auf Basis der Daten lässt sich unter Umständen zukünftig mehr Unterstützung organisieren.

„Wir können durch die Erfahrung der Krise lernen, welche Faktoren eine egalitäre Verteilung der Sorgearbeit ermöglichen“, sieht Prof. Dr. Bettina Kohlrausch, wissenschaftliche Direktorin des WSI, das Positive an den Ergebnissen. „Wir brauchen ein geringeres Arbeitsvolumen und mehr Arbeit im Home-Office.“ Um noch mehr Gleichstellung zu erzielen, empfehlen die Studienautoren, noch mehr institutionelle Kinderbetreuung zu etablieren, mehr Flexibilität hinsichtlich Ort und Zeit der Arbeit umzusetzen, das Ehegattensplitting zu reformieren, die Partnermonate für das Elterngeld auszuweiten und eine30-Stunden-Woche einzuführen. Zudem sollten familiäre Verpflichtungen mehr anerkannt und soziale Dienstleistungsberufe aufgewertet werden.