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24.06.20

Corona-Krise: Mitarbeiter fürchten laut Mercer-Studie wegen Corona und künstlicher Intelligenz um ihre Jobs

Die Corona-Krise führt dazu, dass Unternehmen schneller ihre Arbeit umstellen, als zuvor geplant. Führungskräfte fokussieren sich dabei vor allem auf ihre Mitarbeiter, deren Gesundheit, finanzielle Sicherheit und Weiterentwicklung, denn künstliche Intelligenz und technische Entwicklungen verändern berufliche Laufbahnen. HR hat bei der Transformation der Unternehmen eine Schlüsselrolle inne, wie eine Studie der Unternehmensberatung Mercer belegt.

Unternehmen in Deutschland in der Transformation

Schon vor der Corona-Krise steckten 99 Prozent der Unternehmen in Deutschland in einer Transformation. Zwei Fünftel der Mitarbeiter (42 Prozent) fürchten, dass ihr Job innerhalb der kommenden drei Jahre durch künstliche Intelligenz und Automatisierung ersetzt werden wird. Sieben von zehn Mitarbeitern gehen dabei davon aus, dass ihre Arbeitgeber sie gut auf die Zukunft der Arbeit vorbereiten. Knapp 80 Prozent vertrauen darauf, dass ihr Unternehmen sie weiterbildet, wenn ihr Job sich aufgrund der zunehmenden Automatisierung verändern sollte. Das geht aus der Studie „Global Talent Trends 2020“ des Beratungsunternehmens Mercer hervor.

Das Unternehmen hat dafür mehr als 7.300 Führungskräfte, HR-Verantwortliche und Mitarbeiter weltweit befragt. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass HR beim Aufbau einer nachhaltigen Unternehmensorganisation eine Schlüsselrolle inne hat. Unternehmen benötigen sowohl ein finanzielles Modell als auch ein kulturelles Mindset, das es ihnen erlaubt, sich auf die Zukunft vorzubereiten.

Vier Trends zeichnen sich heute in Unternehmen ab

  • Focus on Futures: Die Mehrheit der befragten Manager (96 Prozent) meint, dass der wirtschaftliche Zweck einer Organisation über die Bedürfnisse der Aktionäre gestellt werden sollte. Allerdings erfüllt nicht einmal jedes dritte Unternehmen (28 Prozent) diesen Anspruch. Laut der Studie würde jeder dritte Mitarbeiter lieber für einen Arbeitgeber arbeiten, der Verantwortung gegenüber allen Interessengruppen zeigt. Die Gestaltung eines nachhaltigen Geschäftsmodells ist dabei ein wichtiges Thema vieler Führungskräfte: 80 Prozent wollen sich mehr auf Nachhaltigkeit in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung konzentrieren.
  • Race to Reskill: Viele Unternehmen beklagen erhebliche Qualifikationslücken. Obwohl drei Viertel der Mitarbeiter bereit sind, neue Fähigkeiten zu erlernen, gibt jeder dritte Mitarbeiter an, nicht genügend Zeit für Trainings und Schulungen zu haben. Nicht einmal zwei Fünftel der HR-Verantwortlichen investieren in Maßnahmen, um ihre Mitarbeiter auf die Zukunft der Arbeit vorzubereiten. Hinzu kommt, dass 41 Prozent nicht wissen, über welche Fähigkeiten ihre Belegschaft verfügt.
  • Sense with Science: Maschinelles Lernen entwickelt sich kontinuierlich weiter und durchdringt immer mehr Branchen und Lebensformen. Die Nutzung von Predictive Analytics, d.h. die Vorhersage zukünftiger Entwicklungen durch die Auswertung von Daten, hat sich in den vergangenen fünf Jahren fast verzehnfacht, es gibt jedoch noch Aufholbedarf. Nur rund die Hälfte der Unternehmen verwendet Metriken, um Mitarbeiter zu identifizieren, die wahrscheinlich kündigen werden. Ebenso weiß nur knapp die Hälfte, wann wichtige Mitarbeiter voraussichtlich in den Ruhestand gehen werden. Nur etwa jedes zehnte Unternehmen kann feststellen, ob es besser ist, externe Mitarbeiter einzustellen oder interne aufzubauen.
  • Energize the Experience: Das Thema Employee Experience, d.h. die Erlebnisse und Erfahrungen, die Mitarbeiter in ihrem Job machen, ist HR relevant. Drei Viertel (74 Prozent) der Unternehmen gestalten ihre Arbeit neu, um sich mehr auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter zu konzentrieren. Dennoch glauben nur 28 Prozent der befragten Führungskräfte, dass sich Investitionen in die Employee Experience im Unternehmen auszahlen. Obwohl rund zwei Drittel der Mitarbeiter ihrem Arbeitgeber vertrauen, dass er sich um ihr Wohlergehen kümmert, verfügen nur 26 Prozent der HR-Verantwortlichen über eine Strategie für Gesundheit und Wohlbefinden. Dabei spielt das Thema eine wichtige Rolle: Mitarbeiter, deren Unternehmen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden ausgerichtet ist, sind mit doppelter Wahrscheinlichkeit motiviert. Und motivierte Mitarbeiter sind unerlässlich, um die Transformationsagenda eines Unternehmens zu realisieren.