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19.11.21

So werden wir 2030 zusammenarbeiten

Zahlreiche Unternehmen und ihre Mitarbeitenden in Büros haben die Vorteile des standortunabhängigen Arbeitens in der Pandemie schätzen gelernt. Ihre Zusammenarbeit hat sich insgesamt verändert. Diesen Changeprozess muss HR begleiten. Was das für Personalabteilungen bedeutet, darüber sprachen die Teilnehmenden des Themenforums von Cornerstone OnDemand beim 12. Deutschen HR-Summit.

Kulturwandel durch Corona

Wo, wann und wie wir künftig zusammenarbeiten, wird sich durch die Erfahrungen in der Pandemie nachhaltig ändern. Langfristig wird es neue Arten der Zusammenarbeit geben. Das betont Karen Wefelmeyer, Chief Human Resource Director von d&b audiotechnik, einem Unternehmen für Veranstaltungstechnik. Auch wenn nicht jede Aufgabe im Unternehmen ortsunabhängig und zeitlich flexibel bearbeitet werden könne, müssten Unternehmen immer wieder prüfen, ob nicht doch weitere Flexibilisierungsmöglichkeiten bestehen, um dadurch dem Wunsch des einzelnen im Rahmen der Erfordernisse des Team und der Strategie des Unternehmens Raum zu geben, so dass die Teams trotzdem noch leistungsfähig sind. „Die Arbeit wird hybrider, und wir müssen gemeinsam lernen, das gut zu gestalten“, sagt die Personalerin.

Für Sven Wesenberg, Senior Manager Account Management & Client Success DACH & Eastern Europe bei Cornerstone OnDemand, hat die Pandemie vor allem dazu geführt, dass der Mensch im Arbeitsleben in den Mittelpunkt gerückt ist. Die Mitarbeitenden könnten aber nur unter einer Bedingung auf der Arbeit wirklich ihre menschliche Seite zum Vorschein bringen: „Wirklich Mensch sein und seine eigene Persönlichkeit zeigen, kann man nur, wenn man dem Gegenüber vertraut. Das war eine Entwicklung in der Pandemie und wird auch künftig eine große Rolle spielen“, sagt Wesenberg. Um den Menschen zu sehen, führt sein Unternehmen seit Beginn der Pandemie wöchentliche Feedbackgespräche. „Es geht dabei nicht um Zielerreichung, sondern primär um den Menschen und dessen Gesundheit“, erklärt der HR-Experte. 

Dass es einschneidende Veränderungen in der Arbeitswelt gibt und geben wird, bestätigt auch Jacqueline Preußer, Leiterin Research bei F.A.Z. Business Media. Sie hat gemeinsam mit Cornerstone OnDemand die Studie „Digitales Arbeiten 2030“ erstellt und fasst zusammen: „Nur 3  Prozent der befragten Unternehmen haben angegeben, dass sie sich noch keine Gedanken darüber gemacht haben, wie der Arbeitsalltag künftig aussehen soll. Die große Mehrheit beschäftigt das Thema.“ 

Nach den Studienergebnissen möchte etwa die Hälfte der Unternehmen künftig Büroarbeitsplätze und Homeoffice zu gleichen Teilen nuten und etwa zwei bis drei Home-Office-Tage pro Woche ermöglichen. Die Mehrheit der Unternehmen ist dabei bereit, ihre Mitarbeitenden und Teams flexibel entscheiden zu lassen, wie sie die Arbeit künftig organisieren. „Es gibt also einen großen Vertrauensvorschuss“, freut sich Preußer. 

Neue Arbeitsformen fordern HR heraus

Insgesamt sehen zwei Drittel (66 Prozent) der Studienteilnehmer und -teilnehmerinnen, dass die Coronapandemie einen Kulturwandel in ihren Unternehmen eingeleitet hat. Ebenso viele geben an, dass ihre Mitarbeitenden mehr digitales Know-how benötigen. Auch agile Arbeitsformen (63 Prozent) sowie das interdisziplinäres Zusammenspiel (47 Prozent) seien wichtiger geworden.

Das bringt auch Herausforderungen mit sich: Laut der Studie sind 80 Prozent der Befragten – insgesamt haben sich mehr als 230 Unternehmen an der Studie beteiligt – überzeugt, im eigenen Unternehmen noch Verbesserungsbedarf bei der Kommunikation zu haben, sofern ein Großteil der Belegschaft mobil arbeitet. Weitere Herausforderungen erwarten sie beim Zeit- und Selbstmanagement (76 Prozent), bei der Führung von Mitarbeitenden (74 Prozent) sowie durch die sich auflösende Grenze zwischen Berufs- und Privatleben (68 Prozent).

Für Wefelmayer stellt sich zudem die Frage, wie Teams gute Leistungen erbringen können, wenn Arbeitszeit und Arbeitsort der einzelnen Teammitglieder weniger überlappen. „Eine der großen Herausforderungen von hybrider Zusammenarbeit ist es, sicherzustellen, dass jedes Teammitglied das gleiche Zielbild im Kopf hat. Dazu brauchen Teams konkrete Verabredungen, wie sie ihre Aufgaben erledigen und Kommunikation so gestalten, dass asynchrones Arbeiten möglich ist.

Auch die Frage, wie persönlicher Kontakt in einer hybriden Arbeitswelt gelingen kann, beschäftigt die Unternehmen. Schließlich müssen Nähe und Vertrauen im virtuellen Raum anders hergestellt werden als in Präsenz. Dabei müssen Führungskräfte auch die Persönlichkeit der einzelnen Mitarbeitenden berücksichtigen. „Manchmal kann es auch helfen, gemeinsam darüber zu lachen, wenn etwas nicht gelungen ist, als Anekdote, oder Storytelling“, ist Wefelmeyer überzeugt.

Ganz ohne persönliche Nähe geht es nicht, geben auch 70 Prozent der in der Studie Befragten an. Zwar sei es möglich, digital eine Kultur zu vermitteln, dennoch brauche es neben virtuellen oder hybriden Treffen gelegentliche persönliche Anwesenheit im Büro. Dem pflichtet Wesenberg bei: „Wir haben gemerkt, dass man das Persönliche nicht ganz ersetzen kann. Schließlich geht es auch um den Menschen und um das Team.“