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26.11.21

BAV im Mittelstand: Pandemie legt Stärken und Schwächen offen

Die Corona-Pandemie beeinflusst die Betriebsrente im Mittelstand: Während jeder zehnte Betrieb von schweren Schäden für die bAV – vor allem durch den Niedrigzins – berichtet, haben die meisten Unternehmen einen wachsenden Bedarf an digitalen Lösungen rund um die Altersvorsorge. Corona lässt zudem die Nachfrage der Beschäftigten nach Risikoabsicherung steigen.

 

Die Corona-Pandemie beeinflusst die Betriebsrente im Mittelstand: Während jeder zehnte Betrieb von schweren Schäden für die bAV – vor allem durch den Niedrigzins – berichtet, haben die meisten Unternehmen einen wachsenden Bedarf an digitalen Lösungen rund um die Altersvorsorge. Corona lässt zudem die Nachfrage der Beschäftigten nach Risikoabsicherung steigen.

Die Herausforderungen in der Altersvorsorge sind durch Covid-19 nicht kleiner geworden – im Gegenteil. Die Stabilisierungsmaßnahmen der Notenbanken haben den Niedrigzins auf Jahre, vielleicht sogar auf Jahrzehnte hinaus zementiert. Das erschwert es Arbeitgebern und überbetrieblichen Versorgungseinrichtungen, die benötigte Finanzierung für Pensionszusagen zu erwirtschaften. Die aktuelle Studie „Betriebliche Altersversorgung im Mittelstand 2021“ von Generali Deutschland und F.A.Z. BUSINESS MEDIA wertet die Ergebnisse einer Forsa-Befragung von Mai bis Juni 2021 unter 200 Personalern aus, die für die bAV in mittelständischen Unternehmen mit 50 bis 500 Mitarbeitern verantwortlich sind. Die Befragten berichten darüber, wie es um die bAV in ihren Betrieben bestellt ist, wie sich die Pandemie auf die Altersvorsorge als Benefit auswirkt und welche Rolle die bAV innerbetrieblich in Zukunft einnehmen wird.

Mal negative, mal positive Auswirkungen

Während fast jeder vierte bAV-Experte betont, die Pandemie schade der eigenen Betriebsrente nicht, sieht sich gut jedes zehnte Unternehmen durch die Pandemie stark negativ in seiner bAV getroffen. Vor allem größere Betriebe berichten von negativen Folgen. Gerade diese Unternehmen verzeichnen im Vergleich zur Befragung von 2019 geringere Anteile an bAV-Anwärtern in Management und Belegschaft.

Probleme ergeben sich vor dem Hintergrund des Niedrigzinses vor allem für diejenigen Betriebe, die mit hohen Garantieverpflichtungen in ihren bAV-Modellen zu kämpfen haben. Andere Arbeitgeber nutzen die Zeit der Pandemie, um ihr bAV-Angebot mit digitalen Tools fit für die Zukunft zu machen  

Die Nachfrage nach digitalen Lösungen für die bAV wächst kräftig

Die große Mehrheit der Befragten äußert einen steigenden Bedarf an digitalen Lösungen für die Administration der Altersvorsorge. Mehr als drei von vier der Experten nennen mindestens einen digitalen Prozess, den der eigene Betrieb inzwischen nutzt beziehungsweise benötigt. Vor allem größere Mittelständler fragen nach diversen digitalen bAV-Tools. Nur 14 Prozent aller befragten Firmen geben an, keine der vorgegebenen digitalen Lösungen nutzen zu wollen.

Im Gesamtbild zeigt sich, dass die digitale Vertragsauskunft, die digitale Administration der bAV und eine digitale Beratung am häufigsten gefragt sind. Gut jeder vierte Mittelständler hat den eigenen Beschäftigten in der Pandemiekrise Angebote für eine digitale Beratung und digitale bAV-Informationen vermittelt. Höherer Bedarf besteht zudem bei der Nutzung von Portallösungen wie einem Vorsorgerechner und digitalen Servicedienstleistungen.

Auch für die Auswahl des bAV-Anbieters gewinnen digitale Tools an Relevanz. Jeweils knapp zwei Drittel der Befragten halten digitale Schnittstellen für die eigene bAV-Administration sowie Online-Tools zur Abwicklung und Kontrolle der bAV für sehr wichtig beziehungsweise wichtig.

Was erwarten Betriebe von bAV-Anbietern?

Partnerschaften in der bAV zwischen Anbietern und Geschäftskunden basieren oft auf langjährigen Kooperationen. Doch inzwischen orientieren sich die Betriebe bei der Wahl ihrer bAV-Anbieter nicht mehr zwangsläufig an alten Kooperationen, sondern stärker an anderen Kriterien wie Servicequalität und überzeugenden Produkten. Zudem erwarten sieben von zehn ganzheitliche digitale Lösungen, die der Komplexität des Themas und den Wünschen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern gerecht werden.
Bei der Auswahl von Altersvorsorgeprodukten legen die internen bAV-Verantwortlichen größten Wert auf ein hohes Maß an Sicherheit in der Kapitalanlage und auf eine einfache Verwaltung. Darüber hinaus sind den Arbeitgebern eine hohe Rendite, mehrere Auszahlungsoptionen und Inflationsschutz bei der Produktauswahl wichtig.

Skepsis herrscht hingegen darüber, ob die Beschäftigten ihres Betriebs mittelfristig in höherer Zahl garantielose Altersvorsorgeprodukte akzeptieren. Die überwiegende Mehrheit der Befragten rechnet nur mit wenigen Abschlüssen garantieloser Produkte.

Gemischt finanzierte bAV-Pläne wachsen weiter

Gemischt finanzierte bAV-Pläne, die sich aus Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträgen speisen, bauen auch in diesem Jahr ihre Position am Markt weiter aus. Sie erreichen mit 80 Prozent der befragten Betriebe einen neuen Höchstwert in dieser Studienreihe. Gleichzeitig erreicht die Entgeltumwandlung fast die 100-Prozent-Marke. Die Marktdurchdringung der bAV, gemessen an den geschätzten Teilnahmequoten von Managern, Führungskräften und Mitarbeitern, stagniert derzeit im Mittelstand. Gerade die größeren Betriebe mit 250 bis 500 Mitarbeitern weisen in diesem Jahr rückläufige Werte im Vergleich zur Befragung von 2019 auf, während die Marktanteile der kleineren und mittleren Betriebe relativ stabil bleiben.

Versicherungen behaupten Spitzenplatz, Pensionskassen verlieren

Mittelständische Betriebe wählen immer noch in großer Mehrheit Versicherungsgesellschaften als Kooperationspartner für die bAV. 80 Prozent der bAV-Verantwortlichen geben an, dass ihr Unternehmen mit der Versicherungsbranche zusammenarbeitet. An zweiter Stelle der Kooperationspartner stehen die Versicherungsmakler mit deutlich verbesserten Werten (43 Prozent). Danach folgen die Pensionskassen. Sie weisen mit 36 Prozent den schlechtesten Wert überhaupt in dieser Studienreihe auf. Am häufigsten setzen noch größere Betriebe mit 250 bis 500 Mitarbeitern auf Pensionskassen.

Unter den Durchführungswegen bleibt die Direktversicherung im Mittelstand an erster Stelle, während die Pensionskasse auch als Durchführungsweg Marktanteile einbüßt. Ebenso verlieren andere klassische Durchführungswege wie die Unterstützungskasse. Versorgungswerke können im Rahmen von branchen- beziehungsweise tarifvertraglicher Versorgung leicht zulegen.

Absicherung des Todesfall- und Invaliditätsrisikos

Angesichts der Pandemie stellen die meisten der befragten Betriebe bei ihren Beschäftigten eine verstärkte Nachfrage nach Produkten zur Absicherung der eigenen Arbeitskraft und zur Hinterbliebenenversorgung fest. Als eigene Aufgabe versteht die Mehrheit der Befragten, mehr gesundheitsfördernde Maßnahmen anzubieten, um die Arbeitskraft in der sich verändernden Arbeitswelt zu sichern.

Nadine Beeckmann
Head of Broker bAV
Generali Deutschland AG
julia.galetzka(*)generali(.)com
www.generali.de

Dr. Guido Birkner
Leitender Redakteur betriebliche Altersversorgung/Pensionsmanagement
dpn – Deutsche Pensions- und Investmentnachrichten
guido.birkner(*)faz-bm(.)de
www.dpn-online.com