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08.02.22

Was hat die Impfprämie gebracht?

Einzelne Unternehmen hatten in den vergangenen Monaten einen Impfbonus eingeführt. Nun ziehen sie erste Resümees.

Über Impfprämien ist viel diskutiert worden – nur wenige Unternehmen in Deutschland haben sie allerdings gezahlt. Einzelne Arbeitgeber, die sich entschieden hatten, geimpften Mitarbeitern einen Bonus zukommen zu lassen, ziehen nun ein Resümee. 

Besonders hohe Prämie als Anreiz

Ein Unternehmen, das durch eine besonders hohe Impfprämie aufgefallen ist, ist der Versandhändler Büromarkt Böttcher aus Jena. Dessen Vorstand hatte im November entschieden, allen Mitarbeitenden, die bis Mitte Januar zweifach gegen das Coronavirus geimpft waren, einmalig 5.000 Euro zu zahlen. Eine beträchtliche Summe, die laut Vorstandsmitglied Danilo Frasiak auch die Beschäftigten überrascht hatte. „Zuerst waren die Mitarbeitenden skeptisch, ob der genannte Betrag korrekt ist oder gegebenenfalls eine Null zu viel kommuniziert wurde“, sagt Frasiak. Als die Angestellten realisiert hätten, dass ihnen tatsächlich 5.000 Euro blühen, wenn sie einen Impfschutz vorweisen können, sei das passiert, was sich der Vorstand versprochen hatte: „Diejenigen, die bis dahin nicht geimpft waren, haben sich intensiv mit dem Thema beschäftigt und viele konnten von den Vorteilen einer Coronaschutz-Impfung überzeugt werden.“

Schlussendlich sei die Impfquote bei Böttcher von ursprünglich 60 Prozent Anfang November 2021 auf knapp 90 Prozent im Januar 2022 gestiegen. Damit seien von den 550 Mitarbeitenden nun 500 geimpft. Ob sich die Böttcher-Mitarbeitenden nur wegen der Prämie haben impfen lassen, kann im Nachhinein keiner sagen. Fest steht allerdings, dass die Impfquote bei dem Versandhändler höher ist als die im Bundes- und im Thüringer Landesdurchschnitt. 

Das Unternehmen selbst sieht die Erhöhung der Impfquote als Erfolg und verweist auch auf zurückgegangene Infektionszahlen unter der Belegschaft. Anfang November 2021 hätten sich täglich teilweise bis zu zehn Beschäftige mit dem Coronavirus infiziert. „In den vergangenen Wochen gab es insgesamt nur eine Person, die Corona bekommen hat“, sagt Vorstand Frasiak. Damit habe man das ursprüngliche Ziel der Impfprämie erreicht: die Infektionsrate zu senken und damit das Weihnachtsgeschäft, die umsatzstärkste Zeit des Jahres, zu sichern. Die insgesamt rund 3 Millionen Euro, die Böttcher für den Impfbonus investiert hat, seien das wert gewesen.

Eine Kostenfrage?

Einen Anstieg der Impfquote innerhalb der Belegschaft verzeichnete auch Pro-Micron, nachdem die Firma für digitale Sensorensysteme eine Impfprämie in Höhe von 250 Euro pro Mitarbeiter oder Mitarbeiterin eingeführt hat. Wie die Wirtschaftswoche berichtet, stieg die Impfquote in dem mittelständischen Unternehmen zwischen August und September 2021 von rund 50 auf etwa 80 Prozent. Zuvor hatte Geschäftsführer Hubertus von Zastrow in einer Pressemitteilung von den Vorteilen des Impfbonus gesprochen und erklärt, dass sein Unternehmen durch die Impfprämie keine Zusatzkosten tragen würde. „Wir müssen als Unternehmen jedem ungeimpften Mitarbeitenden zwei Gratistests pro Woche gewähren“, sagte Zastrow. „Das sind wiederkehrende Kosten, die man bei geimpften Mitarbeitenden einspart. Konkret bedeutet das: circa 250 Euro pro Halbjahr pro Mitarbeiter für Coronaschnelltests. Diese eingesparten Kosten möchten wir mit der Prämie eins zu eins an jeden Mitarbeiter weitergeben.“

Kritiker des Impfbonus sehen das anders. So sagte Lars Schaller vom Unternehmerverband Sachsen kürzlich gegenüber dem Mitteldeutschen Rundfunk (mdr): „Prinzipiell unterstützen wir alle Maßnahmen, die eine Impfung von Unternehmerinnen und Unternehmern sowie Mitarbeitenden zur Folge haben. Wir sehen es aber insofern kritisch, als es zahlreiche Branchen gibt, die es sich gar nicht leisten können, eine Impfprämie zu zahlen.“

Ein Druck zur Impfung sei nicht angebracht

Andere Kritiker des Impfbonus verweisen darauf, dass eine Impfung aus freiwilligen Stücken heraus geschehen sollte. So etwa die Schwarz Gruppe, zu der auch das Discount-Unternehmen Lidl und der Lebensmitteleinzelhandel Kaufland gehören. „Wir begrüßen es, wenn unsere Mitarbeitenden das Impfangebot der Bundesregierung für sich in Anspruch nehmen, um sich und andere zu schützen“, sagt eine Sprecherin der Schwarz Gruppe. „Wir weisen in diesem Kontext jedoch ausdrücklich auf die Freiwilligkeit der Impfung hin.“ Doch nicht alle Unternehmen des Lebensmittelhandels sind gegen eine Impfprämie. Edeka Nord hatte allen geimpften Beschäftigten, die in der Großhandlung arbeiten, einen 50-Euro-Gutschein zukommen lassen. Auf die Frage, ob sich dadurch die Impfquote unter den Mitarbeitenden erhöht hat, äußerte sich das Unternehmen nicht.

Der Beitrag ist zuerst auf der Seite unserer Schwesterpublikation Personalwirtschaft erschienen.