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12.10.21

Psychische Gesundheit: Unternehmen sollten mehr unterstützen

Die psychische Gesundheit von Arbeitnehmern ist wichtig. Sie trägt nicht nur zu einem guten Betriebsklima und Wohlbefinden der einzelnen bei, sondern hat auch Einfluss auf die Produktivität. Eine Studie belegt jedoch, dass viele Unternehmen dem Thema noch nicht ausreichend Beachtung schenken.

Fast ein Drittel der Berufstätigen in Deutschland hat bereits eine psychische Erkrankung gehabt oder leidet aktuell unter ihr. Anlässlich des Welttags für psychische Gesundheit am 10. Oktober, einem Aktionstag, den die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die World Federation for Mental Health (WFMH) ausgerufen haben, hat die Jobseite Indeed gemeinsam mit dem Arbeitspsychologen Prof. Dr. Hannes Zacher von der Universität Leipzig eine Studie durchgeführt. Befragt wurden insgesamt mehr als 2.000 Arbeitskräfte in Deutschland zum Thema mentale Gesundheit am Arbeitsplatz.

Unterstützung von Arbeitgebern fehlt oft

Mehr als ein Viertel der Befragten gibt an, derzeit oder in der Vergangenheit von einer psychischen Erkrankung betroffen gewesen zu sein. Die Arbeitgeber kommen in der Befragung nicht gut weg: In vielen Unternehmen fehlt es an Aufklärung und Schutz vor psychischen Belastungen und Erkrankungen. Das bemängeln vor allem betroffene Personen.

Auf die infolge der Coronapandemie gestiegenen Belastungen reagierten Arbeitgeber nicht oder kaum, so die Studie. Mehr als die Hälfte der Befragten (63 Prozent) geben an, dass es bei ihrer Arbeit keine konkreten Angebote für den Erhalt der psychischen Gesundheit gebe. Rund ein Viertel (23 Prozent) kann dagegen konkrete Unterstützungsangebote wie Seminare zur Aufklärung, Entspannung oder Resilienz sowie Abbau von Überstunden nennen, die ihr Unternehmen etabliert hat. 6 Prozent aller Befragten erhalten von ihrem Arbeitgeber konkretes Informationsmaterial zum Erhalt mentaler Gesundheit oder eine persönliche, psychologische Betreuung.

Um das allgemeine Wohlbefinden der Mitarbeiter kümmern sich nach Angabe der Befragten immerhin die Mehrheit der Betriebe (57 Prozent). Rund ein Drittel (32 Prozent) kümmert sich nach Angabe der Befragten allerdings gar nicht darum. Bei Personen, die aktuell unter einer psychischen Störung leiden, liegt dieser Anteil sogar bei 50 Prozent. Das ist verwunderlich, denn Arbeitgeber sind seit 2013 verpflichtet, Gefährdungsbeurteilungen auch zu psychischen Belastungen am Arbeitsplatz durchzuführen. In diesem Zusammenhang müssen sie ihre Mitarbeiter über psychische Erkrankungen sowie über Maßnahmen zur Prävention informieren.

Wenig Unterstützung trotz steigender Belastung durch Corona

Seit Beginn der Coronapandemie fühlt sich mehr als ein Drittel der Berufstätigen (35 Prozent) bei seiner Arbeit stärker belastet als zuvor. Bei den Befragten, die aktuell unter einer psychischen Erkrankung leiden, sind es sogar knapp die Hälfte (49 Prozent). Nur jeder zehnte Arbeitnehmer (10 Prozent) gibt an, dass er seit Beginn der Pandemie weniger auf der Arbeit belastet sei.

Auf die erhöhte Belastung haben dagegen nur wenige Arbeitgeber reagiert: Nur in 18 Prozent der Betriebe gibt es mehr Unterstützung seit Beginn der Pandemie. Bei 15 Prozent gibt es hingegen Verschlechterungen. In rund 58 Prozent hat sich nach Angabe der Befragten nichts verändert.

Dabei könnten präventive Maßnahmen wie Arbeitsgestaltung, aber auch Trainings zur Stressbewältigung zur Aufrechterhaltung und Verbesserung der psychischen Gesundheit und letztendlich auch zur Produktivität in Unternehmen beitragen. 

Psychische Erkrankung oft noch Tabuthema

Problematisch bleibt weiterhin, dass das Thema psychische Erkrankungen oft noch ein Tabuthema ist. Insgesamt geben nur 49 Prozent der Befragten an, dass auf ihrer Arbeit offen über mentale Gesundheit und psychische Störungen gesprochen werden kann. Bei Personen, die noch keine Erfahrung mit einer solchen Erkrankung gemacht haben, beträgt der Anteil sogar 52 Prozent. Deutlich negativer nehmen dies hingegen die betroffenen Personen wahr: Hier gaben nur 36 Prozent an, dass sie auf ihrer Arbeit offen darüber sprechen können, während 59 Prozent dieser Gruppe angeben, dass dies bei ihnen nicht ginge. 

Mehr Freizeit könnte Gesundheit verbessern

Um die psychische Gesundheit von Berufstätigen zu verbessern, wünschen sich die Befragten an erster Stelle mehr Freizeit und den Abbau von Überstunden (42 Prozent). An zweiter Stelle folgt eine Vier-Tage-Woche (39 Prozent). 37 Prozent sprechen sich für mehr zusätzliche Tage aus. Psychologische Betreuung am Arbeitsplatz sowie Seminare oder Schulungen wünschen sich 21 Prozent.