Quelle: Dirk Beichert Businessfoto.

03.07.19
Fringe-Benefits

Wie sich ein Flexible Benefits-Modell entwickeln lässt

Interview mit Nikolina Möltner, HR-Leiterin von Zenuity, einem Joint-Venture aus der Automobilzuliefererbranche, auf dem Praxisforum Total Rewards von FRANKFURT BUSINESS MEDIA

Frau Möltner, was macht Zenuity?

Nikolina Möltner: Zenuity ist ein Automobilzulieferer. Wir haben das Joint-Venture im April 2017 gegründet und wollten uns von Anfang an als attraktiver Arbeitgeber aufstellen. Dieses HR-strategische Denken ist notwendig, denn wir stehen in der Automobilbranche in einem starken Wettbewerb mit anderen Unternehmen um dieselben Talente. Daher müssen wir als innovativer Arbeitgeber hervorstechen.

Wie machen Sie das?

Nikolina Möltner: Wir setzen auf die Wahrnehmung unseres Flexible-Benefits-Systems durch die Mitarbeiter. Bei Zenuity steht eine Tischtennisplatte im Unternehmen, und es gibt einen Open-Space-Bereich, doch das sind nur einzelne Beispiele für unser System. Wir bieten darüber hinaus einen Mobilitätsbenefit an. Dabei rückerstatten wir die Fahrkosten für öffentliche Verkehrsmittel oder für das Benzin. Zudem haben wir ein Budget für präventive Gesundheitsmaßnahmen und ein weiteres Budget für die Kosten der Kinderbetreuung und noch viele weitere Benefits.

Die persönlichen Bedarfe der Beschäftigten sind ganz unterschiedlich.

Nikolina Möltner: Ja, und deshalb versuchen wir von Anfang an, Mitarbeiter in unsere Entscheidungen über das Flexible-Benefits-System einzubinden, damit die Zufriedenheit im Unternehmen möglichst hoch ist. So haben wir in einer Mitarbeiterumfrage gefragt: An welcher Stelle möchtet ihr wie unterstützt werden? Bei den Antworten landeten die Themen Mobilität, Gesundheit und Kinderbetreuung auf den Top-3-Plätzen.

Wie haben Sie die Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung in die Praxis umgesetzt?

Nikolina Möltner: Nach der Befragung mussten wir zunächst die steuerlichen Rahmenbedingungen für die einzelnen Benefits klären. Dieser Schritt hat sich mitunter in die Länge gezogen, denn wir mussten mit dem Betriebsrat sprechen, bevor wir mit Benify in die Konzeption des Benefitsmodells gehen konnten. Der ganze Prozess von der Befragung bis zur Implementierung der Benefits hat sechs Monate gedauert. Letztlich konnten wir etwas kreieren, was sich die Mitarbeiter gewünscht haben, etwas Innovatives, das auch aktuell bei Zenuity noch herausragt.

Das Flexible-Benefits-Modell umfasst also drei Komponenten?

Nikolina Möltner: Zusätzlich zu den Top-3-Benefits haben wir uns entschieden, auch andere Benefits anzubieten, darunter eine betriebliche Altersvorsorge. Auch wenn das Durchschnittsalter unserer Mitarbeiter ungefähr 35 Jahre beträgt, haben schätzungsweise 60 bis 70 Prozent von ihnen eine bAV. Wir stellen fest, dass sich auch junge Menschen Gedanken über Altersvorsorge machen. Die neuen Benefits haben wir nacheinander eingeführt. Jetzt entwickeln wir unser Angebot aber immer weiter, indem wir Rückmeldungen von unseren Mitarbeitern einholen, um immer zu erfahren, welche weiteren Themen sie bewegen.