R.S.

20.07.22

Benefits rund ums Fahrrad: Was bringt das für Unternehmen?

Fahrradparkplätze, Aktionen und Leasingangebote: Arbeitgeber können viel unternehmen, um fahrradfreundlicher zu werden. Doch was bringt ihnen das? Und wo sollten sie anfangen? Unsere Schwesterpublikation Personalwirtschaft sprach mit Sara Tsudome, die beim Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) das Projekt „Fahrradfreundlicher Arbeitgeber“ leitet.

Frau Tsudome, was hat ein Arbeitgeber davon, fahrradfreundlicher zu werden?

Sara Tsudome: Das kommt ganz darauf an, in welcher Situation er gerade ist. Wenn ein Unternehmen zum Beispiel stark wächst, vielleicht sogar an einen neuen Standort zieht, dann braucht es, wenn die Beschäftigten mit dem Fahrrad statt mit dem Auto kommen, weniger Parkplätze. Dann sparen Sie Geld. Zudem spart ein Unternehmen durch Fahrradförderung auch CO2 ein, was wichtig für den Nachhaltigkeitsbericht ist. Und natürlich ist es gut für die Beschäftigten.

Wie meinen Sie das?

Sara Tsudome: Wenn die Mitarbeitenden den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen, dann macht die Förderung des Fahrradfahrens auch im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements Sinn. Das Fahrrad ist ein guter Ausgleich, wie eine ganze Reihe von großen Untersuchungen gezeigt hat.

In einem Handbuch führen Sie Maßnahmen auf, mit denen Arbeitgeber fahrradfreundlicher werden können. Die Maßnahmen machen Arbeit und kosten Geld. Lohnt sich das?

Sara Tsudome: Ja, einige Sachen kosten viel Geld, aber das ist gut angelegt. Fahrradförderung ist insgesamt vergleichsweise günstig, und viele Maßnahmen sind sehr niedrigschwellig. Zudem ist es ein absolutes Gewinnerthema. Die Leute sind mit wenig Aufwand happy, und das Unternehmen kommt mit schönen Bildern in die Zeitung.

Das Thema bringt also etwas, um Mitarbeitende zu finden?

Sara Tsudome: Ich denke schon. Es ist für viele Leute ein Indikator dafür, dass das Unternehmen etwas für die Beschäftigten tut.

Womit sollte ein Unternehmen , das fahrradfreundlicher werden will, beginnen?

Sara Tsudome: Grundsätzlich sollte man sich erst einmal übergreifend anschauen, was für das eigene Unternehmen Sinn ergibt. Meist ist einer der ersten, einfachen und unkomplizierten Schritte die Teilnahme an einer Fahrradkampagne, zum Beispiel der jährlichen Aktion „Mit dem Rad zur Arbeit“, mit dem wir als ADFC gemeinsam mit der AOK die Leute zum Fahrradpendeln ermutigen wollen, oder dem „Stadtradeln“, das es in vielen Kommunen gibt. Das bringt dann, wenn am Ende die Erfolge gefeiert werden, auch etwas für das Teamgefühl.

Das sind mehr oder minder einmalige Aktionen. Was können Arbeitgeber langfristig tun?

Sara Tsudome: Ebenso einfach und sinnvoll ist es, eventuell bereits bestehende Angebote wie die Möglichkeit zum Fahrradleasing in Onboarding-Dokumente und das Intranet aufzunehmen, und die Leute kontinuierlich zu informieren. Auch bei der Anfahrtsbeschreibung für Kunden und Bewerber ließe sich eine Wegeinformation für Fahrräder ergänzen.

Wer sollte sich im Unternehmen um das Thema kümmern?

Sara Tsudome: Das ist ganz unterschiedlich. Wichtig – und das ist auch das einzige Muss-Kriterium, wenn Sie von uns als fahrradfreundlicher Arbeitgeber zertifiziert werden wollen – ist ein zentraler Ansprechpartner. Ob der in der Personalentwicklung, im BGM oder beim Fuhrpark sitzt, ist  zweitrangig. Denn natürlich müssen die verschiedenen Bereiche zusammenarbeiten, weil manche Maßnahmen baulicher Natur sind, andere mit Benefits zu tun haben und wieder andere auch der Gesundheitsförderung dienen. Diese Zusammenarbeit muss enstprechend koordiniert werden. Nicht fehlen darf aber auch die Unterstützung der Geschäftsleitung.

Nicht erst seit Corona boomt das Fahrradfahren. Haben die Arbeitgeber das erkannt?

Sara Tsudome: Es gibt definitiv eine Entwicklung dahin, dass immer mehr Arbeitgeber sich mit dem Thema beschäftigen. Immer mehr von ihnen bieten Fahrradleasing an, seit der Gesetzgeber dies vereinfacht hat und die Zahl der Anbieter massiv gestiegen ist. Auch Fachkräfte sprechen das Thema in Vorstellungsgesprächen an. Allerdings vergessen manche Arbeitgeber, dass es mit dem Fahrradleasing oft nicht getan ist.

Wie meinen Sie das?

Sara Tsudome: Die meisten geleasten Fahrräder sind E-Bikes oder andere teure Exemplare. Die müssen irgendwo abgestellt werden – und zwar sicher und geschützt.

Auf der Webseite der Initiative „Fahrradfreundliche Arbeitgeber“ lässt sich ein Handbuch mit insgesamt 55 Maßnahmen herunterladen, wie Arbeitgeber fahrradfreundlicher werden können. Dort gibt es auch Informationen zur Zertifizierung.