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14.09.20

Digitalisierung: neue Strategien für die bAV

Die Digitalisierung hat unser Leben rasant verändert und dazu geführt, dass wir komplexe Entscheidungen viel schneller treffen, Produkte zu jedem Zeitpunkt einfach vergleichen und auf Basis unseres Nutzerprofils personalisierte Angebote erhalten können. Dennoch tun sich viele Arbeitgeber schwer, Benefits flexibel und über digitale Plattformen anzubieten. Unternehmen sollten deshalb ihre Benefitsstrategie – und damit auch die betriebliche Altersversorgung (bAV) – neu ausrichten.

Infolge der voranschreitenden Digitalisierung müssen Unternehmen ihre betriebliche Altersversorgung im Rahmen ihrer Benefitsstrategie auf den Prüfstand stellen. Dabei sollten sie den personalisierten Bedarf ihrer Mitarbeiter berücksichtigen und im Gesamtkonzept verankern. Das ist jedoch nicht einfach, da kollektiv zugesagte Angebote nicht einem personalisierten Umfeld entsprechen. Somit klaffen die Erwartungen der Mitarbeiter und die Angebote der Arbeitgeber oft auseinander. Zudem müssen Arbeitgeber auch bei personalisierten Angeboten den Datenschutz gewährleisten.

Trotz dieser Hürden gibt es Möglichkeiten, wie Unternehmen die bAV im Rahmen der arbeitsrechtlichen Regelungen und der technischen Möglichkeiten digital gestalten können und wie sie die bAV in ihre Benefitsstrategie flexibel einbinden können, wie die Unternehmensberatung Mercer in einem Bericht zusammengestellt hat. 

Rechtlicher Rahmen

Prinzipiell haben Arbeitnehmer einen Anspruch auf betriebliche Altersversorgung. Mittlerweile können auch arbeitnehmerähnliche Personen, wie sie in vielen Unternehmen und auch in agilen Teams zu finden sind, eine vom Betriebsrentengesetz geschützte Versorgungszusage erhalten. Auch nicht fest Angestellte können in klassische Absicherungssysteme eingebunden werden.

Um die Anwartschaften aller Mitarbeiter zu administrieren, kann HR auf integrierte Portale zurückgreifen. Dabei ist es sinnvoll, die Benefitsangebote nicht als einzelne Säulen nebeneinanderzustellen, sondern sie miteinander zu verknüpfen. In diesem System können Unternehmen ihren Mitarbeitern beispielsweise ermöglichen, Mittel aus nicht in Anspruch genommenen anderen Benefits in die bAV zu investieren. Ähnlich wie beim Onlineshopping wandeln Arbeitnehmer ihre Ansprüche auf einzelne Benefits in ein Brutto-Benefitsbudget um. Dieses können sie bei Bedarf durch weitere Gehaltsbestandteile entsprechend ihrer persönlichen Präferenz aufstocken. Durch diese graduellen Umverteilungen gelingt es, den personalisierten Bedarf der Mitarbeiter zu befriedigen.

Rechtlich gesehen sind bei der Gestaltung derartiger Modelle sowohl einzelvertraglich als auch kollektivvertraglich vielfältige Ab- und Zuwahlmöglichkeiten (Opting over) denkbar, die den Wert jeder einzelnen Leistung nicht nur objektiv mit einem Euro-Betrag beziffern, sondern auch subjektiv am jeweiligen Bedarf orientieren. 

Informationspflichten gewinnen an Bedeutung

Je vielfältiger die Wahlmöglichkeiten gestaltet sind, desto intensiver müssen Arbeitgeber ihre Mitarbeiter informieren, damit diese die Benefits passgenau in Anspruch nehmen können. Nur durch umfassende Information bieten sie ihnen eine gute Basis für ihre Auswahlentscheidungen. Die Informationspflicht sollten Unternehmen nicht nur als Bürde verstehen, sondern auch als Chance, sich am Markt von der Konkurrenz abzuheben und als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren.