Hinter den Kulissen: Ein Interview mit Thorsten Schecke, Leiter Versorgung und soziale Sicherung im Konzern der Deutschen Lufthansa AG.

Deutsche Lufthansa AG

02.10.19

„Die bAV, deren Facettenreichtum und Komplexität hat mich herausgefordert“

Ein Interview mit Thorsten Schecke, Leiter Versorgung und soziale Sicherung Konzern bei der Deutschen Lufthansa AG, über seine wichtigsten Karrierestationen.

Herr Schecke, was waren die wichtigsten Stationen Ihres bisherigen Lebens?

Thorsten Schecke: Ich wurde 1974 in Bad Soden Salmünster geboren. 1994 begann ich, in Freiburg zu studieren. Ich habe mit Begeisterung verschiedene Fächer wie Politik und alte Sprachen besucht, und am Ende bin ich als Jurist aus dem Studium hervorgegangen. Das zweite juristische Staatsexamen habe ich in Frankfurt abgelegt. Schon damals haben mich soziale Fragestellungen begeistert, und durch mein breit angelegtes Studium hatte ich Verbindungen zu vielen Lebensbereichen. Im Anschluss an das zweite Staatsexamen stieg ich bei Lufthansa ein. Dort war ich als Compensation & Benefits-Manager für Führungskräfte und ihre Vergütung zuständig. Es ging um Aktienpläne, Bonusprogramme und Benefits. Anschließend bin ich zum Arbeitgeberverband Luftverkehr gewechselt, der 2010 unter Federführung der Lufthansa seine Arbeit aufnahm. Dort war ich für Arbeitsrecht und soziale Sicherung zuständig. Bereits dort habe ich Versorgungsthemen betreut, war ab 2012 der Projektleiter zur Neugestaltung aller Versorgungssysteme im Inland und habe diesen Bereich ab 2014 auch geleitet. Das sind sehr herausfordernde Aufgaben, denn wir haben eine Vielzahl von Versorgungsplänen für den Alters- und Übergangsbereich im Konzern zu managen. Zudem sind diese Pläne in der Regel an tarifvertragliche Regelungen geknüpft. Ich verantworte also die gesamte Versorgung im Konzern und führte in den letzten Jahren parallel dazu Tarifverhandlungen mit drei Gewerkschaften über fünf Versorgungswege. Als Vorstand der Versorgungskasse Kabine bin ich daneben für ein Kassenvermögen in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro verantwortlich. Zusätzlich bin ich einer der Geschäftsführer des Lufthansa Unterstützungswerkes.

Wie dürfen wir uns Ihr Privatleben vorstellen?

Thorsten Schecke: Ich bin verheiratet und habe eine dreijährige Tochter. Wir wohnen in einem hübschen Altbau in Frankfurt. Die Familie – und seit ihrer Geburt vor allem unsere Tochter – steht für mich privat im Mittelpunkt. Da bleibt weniger Zeit für Motorradfahren, eine weitere Leidenschaft, übrig. Daneben lese ich gern klassische Literatur, vor allem Lyrik.

Welcher Wesenszug zeichnet Sie als Mensch besonders aus und prägt Sie auch in Ihrer beruflichen Tätigkeit?

Thorsten Schecke: Wenn ich eine Idee oder ein Produkt gut finde, dann bin ich sehr begeisterungsfähig und neugierig. Dann gelingt es mir auch , andere dafür zu begeistern und bei meinen Mitarbeitern und Schnittstellen große Energien freizusetzen. Die betriebliche Altersversorgung ist so ein Thema. Und aus diesem Enthusiasmus schöpfe ich auch für mich viel Energie für die täglichen Aufgaben. Auch in den vielen, langen Streitgesprächen mit Tarifpartnern ist es immer wieder erfolgsentscheidend, die andere Seite für eine Sache oder ein Ziel zu motivieren, denn dadurch gelangen wir auf eine gemeinsame Arbeitsebene und am Ende zu guten Ergebnissen.

Was waren für Sie die entscheidenden Weichenstellungen, um beruflich zur betrieblichen Altersversorgung und zu Ihrer jetzigen Tätigkeit bei Lufthansa zu kommen?

Thorsten Schecke: Ich habe vor Jahren an einem Ausbildungslehrgang zum Compensation & Benefits-Manager teilgenommen. Der letzte Referent des Lehrgangs sprach über die bAV, deren Facettenreichtum und Komplexität. Das hat mich angesprochen und herausgefordert. Da das Thema quasi zur DNA der Lufthansa als ehemaligem Staatsunternehmen gehört, fand ich hier meine Aufgaben, die mich seitdem durch das Berufsleben tragen. Auch wenn Tarifverhandlungen oft langwierig und zäh verlaufen, genießt die bAV im Konzern einen hohen Stellenwert bei allen Beteiligten. Spannend ist auch die Zusammenarbeit mit unserem Treasury, das die Kapitalanlage für die bAV übernimmt. Mit dem Übergang vom Defined Benefit zur Defined Contribution haben Treasury und HR gemeinsam ein Produkt entwickelt, über das sich die beiden Bereiche gegenseitig gewinnbringend beeinflussen.

Welche großen Aufgaben kommen in den nächsten Jahren voraussichtlich auf Sie zu?

Thorsten Schecke: Wir sind zunächst einmal froh, dass wir in der Vergangenheit Tarifverträge mit langer Laufzeit abschließen und damit einen der größten Tarifkonflikte in der Geschichte des Konzerns erfolgreich beenden konnten. Jetzt geht es darum, das beitragsorientierte System den Mitarbeitern durch Kommunikation noch näherzubringen. Dazu zählen noch mehr flexible, digitale Lösungen sowie Wahlmöglichkeiten. Wir müssen unsere Versorgungs- und Kommunikationsangebote genauso flexibel gestalten, wie die Erwerbsbiographien unser Mitarbeiter eben sind. Diese Diskussionen führen wir aber nicht nur bei Lufthansa, sondern ich sehe sie überall dort, wo es um die bAV geht. Diese Diskussionen sind richtig und wichtig, denn wir brauchen mehr Digitalisierung und Flexibilisierung, wir müssen bei den Vorsorgebemühungen schneller werden und Lösungen für die verschiedenen Generationen bereitstellen. Richtig und wichtig ist auch die Einbeziehung der Tarifpartner in die bAV, wie sie das Betriebsrentenstärkungsgesetz an einigen Stellen vorsieht. Allerdings sollten die Erleichterungen nicht nur auf versicherungsförmige Wege beschränkt bleiben.