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02.10.20

Betriebliche Altersversorgung: 10 strategische Punkte in turbulenten Zeiten

Die anhaltenden Marktturbulenzen und die Auswirkungen der Corona-Krise setzen die deutsche Wirtschaft unter Druck. Aufgrund der Volatilität von Pensionsverpflichtungen und -vermögen ist davon auch die betriebliche Altersversorgung (bAV) betroffen. Doch Unternehmen können darauf reagieren und somit Risiken minimieren.

Wie können Unternehmen die betriebliche Altersversorgung in Krisenzeiten gestalten, wie können sie Pensionsverpflichtungen reduzieren? Welche Möglichkeiten gibt es, um ausfinanzierte Pensionspläne zu optimieren, und wie können sie die bAV-Prozesse effizienter gestalten? Antworten auf diese Fragen gibt Mercer in seinem Bericht „Strategien für die betriebliche Altersversorgung in turbulenten Zeiten“. Gleichzeitig hat der Dienstleister zehn Punkte als Leitfaden zusammengefasst, um die bAV effizient aufzustellen ­ auch in der Krise. 

1. bAV neu gestalten

Viele Unternehmen überdenken infolge der aktuellen Marktsituation, welche Pensionszusagen sie geben können. Dadurch wollen sie die Volatilität der Pensionsverpflichtungen reduzieren. Aufgrund arbeitsrechtlicher Regelungen ist dies jedoch eingeschränkt. Eine mögliche Gestaltungsvariante ist, auf eine beitragsorientierte Leistungszusage mit Zinsgarantie und einer Kopplung an einen Marktindex umzustellen. Dadurch kann sich die Zinsvolatilität reduzieren. 

2. Pensionsverpflichtungen durch Kapitalisierungsoption reduzieren

Die Möglichkeit, die bAV statt in monatlichen Tranchen in einem Gesamtbetrag auszuzahlen, kann eine Möglichkeit sein, Pensionsverpflichtungen zu reduzieren. Die sogenannte Kapitalisierungsoption können Unternehmen Rentnern mit einem Rentenbeginn vor 2005 anbieten. 

3. Passivierungswahlrecht in der Handelsbilanz durch einen Wechsel des Durchführungsweges nutzen

Durch einen Wechsel des Durchführungsweges von der unmittelbaren Versorgungszusage hin zur Unterstützungskasse oder zum Pensionsfonds können Unternehmen im HGB-Abschluss das Passivierungswahlrecht nutzen. Weitere Zuführungen zu den Pensionsrückstellungen können Unternehmen dadurch dauerhaft vermeiden. Die Volatilität im Jahresabschluss wird durch kalkulierbare Zuwendungen an den Versorgungsträger ersetzt. Abhängig von der Wahl des Durchführungsweges können Unternehmen unterschiedliche Teile der Verpflichtungen übertragen. Die Rückstellungen dürfen zwar nur in Höhe der Dotierung aufgelöst werden, der verbleibende Betrag wird aber eingefroren und ist nicht mehr von Zinsschwankungen betroffen.

4. Versorgungsverpflichtungen über ein CTA ausfinanzieren

Über ein Treuhandmodell (Contractual Trust Agreement, CTA) können Unternehmen ihre Pensionsverpflichtungen mit Vermögenswerten unterlegen. Ein CTA hält treuhänderisch Fondsanteile bzw. Versicherungsverträge oder weitere Vermögensgegenstände, die ausschließlich der Deckung und Finanzierung unmittelbarer Pensionsverpflichtungen des Arbeitgebers dienen. Durch die Sicherung der Vermögensmittel über einen Treuhänder können Unternehmen die internationale und nationale Bilanz verkürzen, ohne in die bestehende Versorgungsregelung eingreifen zu müssen.

5. Ausfinanzierte Pensionspläne optimieren

Ausfinanzierte Pläne können dazu beitragen, den laufenden Cashflow zu entlasten, weil Rentenzahlungen aus dem vorhandenen Vermögen geleistet werden. Unternehmen sollten überprüfen, wie ausfinanzierte Pläne optimiert werden können. 

6. Pensionsrisiken mit dynamischen Strategien steuern

Dynamische Komponenten können einen wichtigen Beitrag leisten, um langfristige Ziele zu erreichen und gleichzeitig kurzfristige Risiken zu beherrschen oder sogar von Chancen zu profitieren. Die Ausgestaltung der dynamischen Komponenten lässt sich dabei in drei Ebenen unterteilen: Langfristige De-Risking-Strategie, dynamische Asset-Allokation und aktives Investmentmanagement.

7. Liability-Driven Investments (LDI) nutzen

LDI bezeichnet eine Anlagestrategie, die aus der Struktur der Pensionsverpflichtungen abgeleitet wird. Damit geht sie über die traditionellen Investmentansätze hinaus, die Aktien und Renten gegenüber klassischen Benchmarks betrachten. LDI stellt sicher, dass die Anlagestrategie explizit und unmittelbar auf die Charakteristika der Pensionsverpflichtungen ausgerichtet ist. 

8. bAV in Benefitsstrategie integrieren

Mitarbeiter erwarten heutzutage flexible Benefits, die sie entsprechend ihrer jeweiligen Lebenssituation anpassen können. Um diese Anforderungen umzusetzen, sind digitale Lösungen erforderlich. Das gilt auch für die bAV: Unternehmen sollten die bAV im Rahmen ihrer Benefitsstrategie überprüfen und deren Ausgestaltung mit Blick auf das Gesamtkonzept anpassen.

9. Governance-Prozesse für alle bAV-Bereiche sicherstellen

Zunächst sollten Unternehmen ihr Portfolio Stresstests mit Szenarien wie der Corona-Pandemie unterziehen. Aus den Ergebnissen können sie Handlungsmaßnahmen ableiten, um auch bei Extremereignissen die Unternehmensziele zu erreichen. Sie sollten zudem überprüfen, ob Extremereignisse das Portfolio bei der Erfüllung der Zahlungsverpflichtungen in der nahen Zukunft beeinträchtigen. 

10. Verwaltung der bAV auslagern

Als Verantwortlicher für bAV stehen Unternehmen häufig in einem Zwiespalt. Neben aktuellen Entwicklungen im Markt und beim Zins müssen sie auch das mitunter aufwändige Tagesgeschäft der bAV-Verwaltung im Blick behalten. Um Ressourcen zu schonen, sollten Unternehmen die Verwaltung der bAV auf einen externen Anbieter übertragen. Das Unternehmen selbst kann sich dann auf die strategische Ausrichtung der bAV konzentrieren.