In Zeiten niedriger Zinsen ist das Thema Betriebsrente für viele Arbeitgeber und ihre Angestellten eine Herausforderung.

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20.11.19

bAV im Niedrigzinsumfeld lohnt sich – mit einem durchdachten Plan

Wie sich die Bedürfnisse der Mitarbeiter bei begrenztem Risiko erfüllen lassen.

In Zeiten niedriger Zinsen ist das Thema Betriebsrente für viele Arbeitgeber und ihre Angestellten eine Herausforderung. Dabei gibt es funktionierende Lösungen: Sie sind beitragsfinanziert und begrenzen die Risiken für den Arbeitgeber. Den Mitarbeitern ermöglichen sie einen attraktiven Altersvorsorgebaustein mit Renditepotential durch Aktien. Was können Arbeitgeber heute tun, um ihren Mitarbeitern das optimale bAV-Paket zu bieten?

Lebensversicherungen mit Garantiezins funktionieren nicht mehr

Die klassische Direktversicherung mit Garantiezins legt bis zu 90 Prozent ihrer Gelder in Rentenpapieren an. Dies funktionierte im Zinsumfeld der letzten Jahrzehnte gut. Der Niedrigzins hatte zur Folge, dass der Garantiezins für Neuverträge auf 0,9 Prozent gesunken ist. Eine wesentlich höhere Rendite wird nicht zu erreichen sein, denn Bundesanleihen rentieren aktuell negativ (Laufzeit: zehn Jahre, Rendite: –0,6 Prozent). Klassische Tarife mit Garantiezins verschenken also Renditepotenzial.

Renditebringer sind Aktien

Eine zeitgemäße Kapitalanlagestrategie sollte den langen Anlagehorizont und das Renditepotenzial von Aktien im Portfolio nutzen. Kursschwankungen relativieren sich im Zeitablauf, und der Einsatz von Fonds wie kostengünstigen ETFs (Indexfonds) minimiert Einzelrisiken. Ein Risikomanagement und die Sicherung des Portfolios durch sukzessive Absenkung der Aktienquote bis zum Leistungsbeginn sorgen erfahrungsgemäß für eine höhere Altersleistung. Bei langen Laufzeiten von über 20 Jahren kann die Aktienquote im Portfolio durchaus 50 Prozent oder mehr betragen. Ein Portfolio mit einem hohen Aktienanteil und einer Streuung über alle Märkte führt dazu, dass der Mitarbeiter am weltweiten Wirtschaftswachstum teilnimmt.

Eine reine Beitragszusage ohne Garantien ist in den USA im Rahmen von 401k-Plänen weitverbreitet und populär. Mitarbeiter können mit hohen Aktieninvestments steuerfrei Vermögen für das Alter aufbauen. Die Unternehmen tragen kein Risiko für die Leistungshöhe („pay and forget“). Auch in Deutschland hat der Gesetzgeber erkannt, dass Garantien Geld kosten und eine chancenreichere Kapitalanlage höhere Altersleistungen ermöglicht – auch im Niedrigzins. Im Rahmen des Betriebsrentenstärkungsgesetzes (BRSG) wurde die reine Beitragszusage ohne Garantien als Zusageart eingeführt. Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber nur eine abgemilderte Form des 401k, denn zur Erreichung einer Ziel-Rente sind gesetzliche Sicherungsmechanismen vorgesehen, sprich Sicherungsbeiträge des Arbeitgebers. Die reine Beitragszusage ohne Garantien kann nur im Rahmen eines Tarifvertrages durch die Sozialpartner vereinbart werden. Einen Tarifvertrag zum sogenannten Sozialpartnermodell gibt es noch nicht.

Attraktive Versicherungslösungen in der bAV: Das Beste aus zwei Welten

Es gibt bAV-Lösungen, die beide Welten miteinander verbinden. Sie verbinden Sicherheit durch eine Mindestleistung (Garantie) mit einer Anlagestrategie, die Kapitalmarktchancen nutzt. Dies wird durch die bereits seit 2002 existierende Beitragszusage mit Mindestleistung (BZML) möglich. Als Mindestleistung zahlt der Versicherer im Versorgungsfall mindestens die Summe der Beiträge abzüglich der Risikokosten aus. Die BZML sowie das Sozialpartnermodell können in den versicherungsförmigen Durchführungswegen nach § 3 Nr. 63 EStG durchgeführt werden. Dazu zählen die Direktversicherung, die Pensionskasse und der Pensionsfonds. Monatsbeiträge sind bis maximal 536 Euro möglich (8 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze, BBG). Damit können circa 80 bis 90 Prozent der Belegschaft eines Unternehmens einen adäquaten Vermögensaufbau für das Alter leisten.

Die Portabilität im Rahmen des Betriebsrentengesetzes ermöglicht die Übertragung des Vertrages bei Arbeitgeberwechsel. Dies passt zu den veränderten Erwerbsbiographien von Arbeitnehmern. Der verpflichtende Arbeitgeber-Zuschuss erhöht die Attraktivität für Neuzusagen im Rahmen einer BZML. Der Zuschuss beträgt 15 Prozent auf die Entgeltumwandlung, sofern der Arbeitgeber Sozialabgaben spart. Der Versicherungsmarkt bietet Tarife, die eine höhere Aktienquote zulassen als klassische Tarife mit Garantiezins. So können Mitarbeiter mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einer höheren Altersleistung rechnen.

Direktversicherung und Pensionsfonds: Optionen für ein Wohlgefühl in der bAV

Doch ein hoher Aktienanteil im bAV-Portfolio ist nicht für jeden etwas, denn die Risikobereitschaft von Mitarbeitern ist sehr unterschiedlich. Und letztlich muss sich der Mitarbeiter mit der Kapitalanlagestrategie seiner bAV wohlfühlen. Hierbei spielt die Kommunikation im Unternehmen eine bedeutende Rolle. Auch die Versicherer tragen der unterschiedlichen Risikobereitschaft Rechnung. Im Rahmen der BZML bieten sie entsprechende Kapitalanlagestrategien in den Durchführungswegen der Direktversicherung und dem Pensionsfonds an.

Direktversicherung für den vorsichtigen, sicherheitsbedürftigen Mitarbeiter

Direktversicherer sichern bei modernen Tarifen im Rahmen der BZML die Garantie für jeden Versicherten in einem Sicherungsvermögen. Überschüsse werden zur Erhöhung der Garantie und zur Anlage in chancenreichere Anlagen (Aktien) verwendet. Bei dieser Kapitalanlagestrategie ist eine Aktienquote im Portfolio von 20 Prozent und mehr möglich. Für den sicherheitsorientierten und konservativen Mitarbeiter (Anleger) ist eine entsprechend gestaltete Direktversicherung attraktiv. Die Tarifvielfalt ist hoch. Die Auswahl der passenden Strategie erfordert Expertise.

Pensionsfonds für den offensiveren Anleger mit Wertpapiererfahrung

Pensionsfonds stellen die Garantieleistung im Rahmen einer BZML kollektiv dar. Anders als bei der individuellen Darstellung der Mindestleistung in der Direktversicherung betrachten Pensionsfonds nicht jedes Risiko separat. Bei der Allokation der Anlagen berücksichtigen Pensionsfonds die Risiken der gesamten Gruppe und die unterschiedliche Fälligkeit der Leistungen. Durch den kollektiven Risikoausgleich und die unterschiedlichen Fälligkeiten können Pensionsfonds einen größeren Teil des Anlagevermögens in freie, ertragsorientierte Anlagen investieren. Die Aktienquote in den Portfolios kann 50 Prozent und höher sein. Aufgrund des langen Anlagehorizonts ist dies sachgerecht und ermöglicht die Chance auf eine höhere Altersleistung als bei der Direktversicherung.

Mitarbeiter werden ihren Anspruch auf Entgeltumwandlung zukünftig stärker einfordern, nicht zuletzt aufgrund des verpflichtenden Arbeitgeber-Zuschusses. Es ist empfehlenswert, eine attraktive bAV-Lösung auszuwählen beziehungsweise die bestehende Lösung zu optimieren. Die Anbieterauswahl und die Ausgestaltung der bAV erfordern vertiefte Kenntnisse in der betrieblichen Altersversorgung und der Vermögensverwaltung. Eine unabhängige bAV-Beratung bietet echten Mehrwert, wenn das Unternehmen damit die folgenden Kriterien erreicht:

  • Individuelle Anpassung der bAV-Lösung an die Größe und die Ziele des Unternehmens. Das bAV-Konzept sollte alle Mitarbeitergruppen berücksichtigen, auch Geschäftsführer, Führungskräfte und Top-Verdiener.
  • Die gesetzliche Regelung sollte ohne erhöhten Verwaltungs- und Kommunikationsaufwand umsetzbar sein.
  • Die Empfehlung für den geeigneten Versicherer erfolgt unter Berücksichtigung möglichst geringer Kosten (für Abschluss und Verwaltung) und der Finanzkraft des Anbieters (Sicherheit).
  • Sonder-/Gruppenkonditionen, zum Beispiel keine oder nur geringe Abschlusskosten sowie keine Gesundheitsfragen, sofern die Voraussetzungen dafür gegeben sind.
  • Kapitalmarktchancen werden durch chancenreiche Anlagen (Aktien) genutzt. Die unterschiedliche Risikobereitschaft kann durch Tarifoptionen aufgefangen werden. Die Tarifvielfalt der Anbieter ist groß. Die richtige Tarifwahl erfordert Expertise.
  • Der unabhängige Berater bietet Unterstützung bei der Kommunikation der bAV-Lösung

Gesellschafter-Geschäftsführer und Top-Verdiener benötigen unbegrenzt steuerfreie Beiträge

Gesellschafter-Geschäftsführer und Top-Verdiener haben einen höheren Versorgungsbedarf und größere Versorgungslücken im Alter. Für sie kann eine Lösung in den Durchführungswegen der Direktzusage oder Unterstützungskasse empfehlenswert sein.

Unbegrenzt steuerfreie Beiträge ermöglichen den adäquaten Aufbau einer Altersversorgung. Eine beitragsorientierte Leistungszusage mit einer attraktiven, chancenreichen Wertpapier-Rückdeckung lagert Risiken aus, ist bilanzneutral und sorgt auch im Niedrigzins für eine hohe Renditeerwartung. Zur Sicherstellung empfiehlt sich ein unabhängiger Finanzdienstleister. Im Rahmen einer professionellen Vermögensverwaltung steuert er die Kapitalanlage strategisch. Außerdem sorgt er für eine breite Streuung und die kostengünstige Umsetzung, beispielsweise mit ETFs (Indexfonds).

Die Beitragszusage mit Mindestleistung (BZML) ermöglicht eine chancenreiche Kapitalanlage. Garantien und attraktive Kapitalanlagestrategien, die höhere Altersleistungen ermöglichen, unterstützen den Vermögensaufbau für den Ruhestand. Aufgrund der neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen ist die Einführung einer bAV-Lösung beziehungsweise deren Anpassung angeraten.