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01.06.21

bAV: Altersvorsorge durch Gehaltsumwandlung – oft zu komplex

Eine Umfrage zeigt, dass in fast 90 Prozent der Unternehmen Mitarbeiter Gehaltsbestandteile in die Altersvorsorge (bAV) einzahlen können. Doch vielen Mitarbeitern sind die Angebote zu komplex, und sie nutzen sie nicht.

Fast alle Unternehmen bieten mitarbeiterfinanzierte bAV-Angebote

Der Großteil der Unternehmen in Deutschland unterstützt seine Mitarbeiter bei der Altersvorsorge (bAV): Knapp neun von zehn Unternehmen in Deutschland (87 Prozent) haben Regelungen, damit Mitarbeiter Entgeltbestandteile in ihre Altersvorsorge einzahlen können. Das zeigt eine Umfrage von Willis Towers Watson. Das Beratungsunternehmen befragte dafür Anfang 2021 rund 80 bAV- und Fachverantwortliche aus Unternehmen aller Größen und Branchen. Die Ergebnisse geben auch Aufschluss darüber, ob und wie die anhaltende Niedrigzinsphase und damit einhergehende Änderungen im Produktangebot der Versicherungen sowie die Corona-Pandemie die Entgeltumwandlung beeinflussen.

Gemäß der Studie hat die Pandemie kaum Einfluss auf die Entgeltumwandlung. Die Abschlüsse seien infolge der Krise kaum verändert. Auch das Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) konnte der bAV keinen Schub verleihen, obwohl es schon vor vier Jahren in Kraft trat. Drei Viertel (76 Prozent) der Unternehmen registrierten dadurch keine wesentliche Veränderung.

Das Niedrigzinsniveau hat dagegen die bAV negativ beeinflusst: Die Renditen, die für eine auskömmliche Altersvorsorge erforderlich sind, können infolge des niedrigen Zinsniveaus kaum noch erzielt werden, zumal die meisten Versicherungslösungen auf Zins- und Beitragsgarantien basieren. Um dennoch attraktive Vorsorgemöglichkeiten anbieten zu können, führen die Versicherungsanbieter in immer kürzeren Abständen neue Produkte ein. Diese setzen auf eine chancenorientiertere Anlage der Versorgungsbeiträge und verminderte Garantieversprechen. Klassische Garantielösungen stehen kaum noch zur Verfügung. Die häufigen Produktänderungen haben allerdings das Vertrauen der Mitarbeiter in Versicherungsprodukte sinken lassen. 

bAV ist aus Mitarbeitersicht komplex

Hinzu kommt, dass viele Mitarbeiter die bAV ohnehin für komplex halten, ihren Vorsorgebedarf nicht kennen oder Versicherungsprodukten skeptisch gegenüberstehen. Viele schließen daher keinen bAV-Vertrag ab. Obzwar der Großteil der Unternehmen seinen Mitarbeitern ein bAV-Angebot macht, nehmen in knapp einem Drittel (35 Prozent) der Unternehmen nur etwas mehr als die Hälfte der Mitarbeiter dieses an.

Zudem bevorzugen sowohl Unternehmen als auch Mitarbeiter bislang klassische Garantielösungen. Für zwei Drittel der Mitarbeiter spielt bei der Altersvorsorge Sicherheit bei der Kapitalanlage eine wichtigere Rolle als die Renditechancen. Mehr als die Hälfte (53 Prozent) der Versicherer bietet sie noch an. 

Kommunikation ist entscheidend

Um Mitarbeitern die Vorteile und die Bedeutung der bAV näher zu bringen, sollten Unternehmen ihre Vorsorgeangebote besser kommunizieren und schlüssig erklären. Mitarbeiter werden Vorsorgeangebote nur annehmen, wenn sie sie verstehen. Viele Unternehmen, Versicherungsvermittler und Produktanbieter haben das zwar erkannt, setzen aber zu selten schlüssige Kommunikationskonzepte um.

Da das Niedrigzinsumfeld noch einige Zeit bestehen bleiben wird und die Anbieter daher voraussichtlich weiterhin vor allem kapitalmarktnahe Lösungen anbieten werden, ist es umso wichtiger, die Vorzüge von Lösungen der betrieblichen Altersvorsorge gut und ständig zu kommunizieren. Letztendlich nutzt das nicht nur den Mitarbeitern, die besser für ihr Alter vorsorgen, sondern auch den Unternehmen, die durch Benefits wie die bAV Mitarbeiter gewinnen und binden können.